Gerade für Ärzte und Medizinstudenten ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sehr wichtig, weil sie entweder bereits über eine sehr hohe Lebensstellung verfügen oder diese in den kommenden Jahren erreichen werden.Der BU-Profi - Worauf müssen Ärzte und Medizinstudenten bei der Berufsunfähigkeitsversicherung achten?

Auf der anderen Seite ist auch die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden im Vergleich zu anderen hoch qualifizierten Berufen wie Ingenieuren, Steuerberatern oder Architekten um einiges höher.

Gerade deswegen buhlen immer mehr Versicherungsgesellschaften um die Zielgruppe Ärzte und Medizinstudenten, wenn es um die Berufsunfähigkeitsversicherung geht.

Worauf Sie als Arzt, Ärztin oder Medizinstudierenden achten sollten und welche BU-Tarife sich für Sie sehr gut eignen, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Sollen wir Ihnen das Thema näher erklären?

Falls Sie spezielle Fragen  haben, die in diesem Text nicht beantwortet werden können, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren!

Ärzte haben ein sehr hohes Risiko, berufsunfähig zu werden

Im Vergleich zu handwerklichen Berufen oder Tätigkeiten in der Gesundheits- und Krankenpflege scheinen die körperlichen Risiken einer Berufsunfähigkeit bei Ärzten überschaubar zu sein.

 

Das täuscht allerdings, denn auch bei Ärzten ist je nach Fachbereich eine hohe Leistungsfähigkeit an den Körper erforderlich. Denken wir nur mal an die Anästhesistin, die auf ihre Fingerfertigkeit beim Setzen der Nadeln angewiesen ist oder der Kardiologe, der am offenen Herzen operiert. Ein Tremor, eine Epilepsie oder ein komplizierter Bruch der Hand kann hier schon schnell zur Berufsunfähigkeit führen.

 

Zusätzlich stehen Ärztinnen und Ärzte unter hohem Druck durch die permanente Bereitschaft, die Schichtdienste und auch das Leid der Patienten, das mit den Jahren an vielen “knabbert” und mit “nach Hause” genommen wird.

Hier sind über die Jahre psychische Probleme sehr häufig geworden.

 

Hinzu kommen dann natürlich noch die weiteren Erkrankungen wie Krebs- und Tumorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Nervenkrankheiten und so weiter. Auch davor sind Medizinerinnen und Mediziner nicht gefeit.

 

Da passiert es sehr oft, dass Ärzte aufgrund der oben genannten Ursachen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal über mindestens 6 Monate nicht mehr wie gewohnt in ihrem Beruf arbeiten können.

Die Lebensstellung von Ärzten ist außergewöhnlich hoch

Zu der recht hohen Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, kommt bei Ärzten eine sehr hohe Lebensstellung hinzu. Diese setzt sich aus dem Einkommen, dem sozialen Ansehen im Beruf und der Qualifikation zusammen. Und in dieser Kombination haben das sonst nur sehr wenige weitere Berufe.

 

Genau deswegen spielt die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit auch bereits bei Medizinstudenten eine wichtige Rolle. Denn im Studium bereiten Sie sich über viele Jahre auf die spätere Karriere vor. Kommt es dann zu einer vorübergehenden Erkrankung, die Sie für ein paar Jahre zurückwirft, ist eine BU-Versicherung schon sehr wichtig.

 

Noch wichtiger ist sie allerdings gerade dann, wenn Sie durch eine Erkrankung oder einen Unfall gegen Ende Ihres Studiums für den künftigen Beruf des Arztes ungeeignet werden. Insgesamt ist die Berufsunfähigkeitsversicherung somit eigentlich schon während des Studiums empfehlenswert. Spätestens aber mit Eintritt der Zeit als Assistenzarzt ist sie ein MUSS.

 

Auf welche Klauseln und Bedingungen sollten Ärzte bei der BU-Versicherung achten?

Bei den Versicherungsbedingungen gibt es mehrere Themenbereiche, auf die Ärzte achten sollten. Bei Studenten im Bereich Medizin kommen noch ein paar Weitere dazu.

Grundsätzlich ist dabei noch zu unterscheiden, ob Sie sich vorstellen können, in Zukunft in einer eigenen Praxis als niedergelassener Arzt zu arbeiten oder ob Sie planen, dauerhaft im Angestelltenverhältnis zu bleiben.

Als Basis für jeden BU-Versicherungsvertrag empfehle ich Ihnen, dass alle BU-Profi MUST HAVES positiv erfüllt sind.  Wenn wir dahinter einen Haken machen können, ist es sinnvoll, dass Sie sich die folgenden Punkte im Detail ansehen.

 

Wie gut ist die Infektionsklausel?

Bei der Infektionsklausel handelt es sich um eine Zusatzklausel, aus der Sie Ihre BU-Rente bekommen, wenn es Ihnen gemäß des Infektionsschutzgesetzes verboten wird. Und zwar auch dann, wenn Sie durch diese zum Berufsverbot führende Erkrankung gar nicht berufsunfähig sind.

 

Allerdings gibt es bei dieser Klausel einige Unterschiede, die darüber entscheiden, ob es sich dabei um eine rein theoretische Leistung und einen wirklichen Mehrwert handelt.

Infektionsklausel Württembergische BU-Versicherung 01.2022

In der BU-Versicherung der Württembergischen leistet die Infektionsklausel zum Beispiel erst dann, wenn sich das Tätigkeitsverbot auf Ihre vollständige Tätigkeit bezieht. Das halte ich persönlich für nahezu unmöglich, denn neben Ihrer Arbeit mit Patienten (auf die sich das Tätigkeitsverbot in der Regel bezieht), verbringen die meisten Ärzte auch viele Zeit mit Fortbildungen und Büroarbeiten wie der Dokumentation.

 

Zwar führt ein Verbot der Behandlung von Patienten schon zur vollständigen Berufsunfähigkeit, aber die Württembergische bezahlt Ihnen an dieser Stelle noch keine Leistung.

Infektionsklausel BU-Versicherung Die Bayerische 01.2022

Anders sieht das zum Beispiel bei den Bedingungen der Bayerischen Berufsunfähigkeitsversicherung aus. Hier wird seit Januar 2022 schon dann die volle Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt, wenn sich dieses Tätigkeitsverbot auf mindestens 50% Ihrer Tätigkeit bezieht.

In der Praxis stellt diese Klausel einen deutlich höheren Mehrwert dar als die Leistung erst bei vollständigem Tätigkeitsverbot!

Inwiefern die Infektionsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte sinnvoll ist, habe ich in einem separaten Beitrag beschrieben: Die Infektionsklausel für Ärzte – Ein Muss in der BU-Versicherung?

Sinnvoller Verzicht auf die konkrete Verweisung

Werden Sie in Ihrem Beruf als Arzt berufsunfähig, könnten aber noch in einem anderen Beruf arbeiten, dann bekommen Sie trotzdem Ihre volle BU-Rente. Dies nennt man den Verzicht auf die abstrakte Verweisung. Und diese Klausel finden Sie mittlerweile in nahezu allen Versicherungsbedingungen.

Können Sie nicht nur in einem anderen Beruf arbeiten, sondern tun dies auch, dann darf die Versicherung im Rahmen der konkreten Verweisung prüfen, ob Sie weiterhin berechtigt sind, Ihre Leistung zu beziehen oder nicht.

 

Generell spielt bei der konkreten und abstrakter Verweisung der Erhalt Ihrer Lebensstellung eine sehr wichtige Rolle: Die Rente kann nur dann eingestellt werden, wenn die neue Tätigkeit sowohl vom Einkommen wie auch von dem sozialen Ansehen mit Ihrem vorherigen Beruf als Arzt oder Ärztin vergleichbar ist.

Dies schränkt den Kreis der möglichen Verweisungsberufe aufgrund der hohen Lebensstellung schon einmal massiv ein.

 

Es gibt allerdings auch andere Fälle:

Stellen Sie sich vor, Sie können aufgrund einer der oben genannten, spezifischen Erkrankungen wie einer Epilepsie oder eines Tremors nicht mehr in Ihrem Beruf arbeiten.

 

Ihr Fachwissen geben Sie aber gerne in einer neuen Tätigkeit als Referent weiter und füllen damit große Hörsäle. Weiterhin genießen Sie Ihr großes Ansehen als ärztlicher Experte und Ihr Einkommen ist ebenfalls vergleichbar mit Ihrem vorherigen. In diesem Fall kann Ihre BU-Rente von der Versicherung eingestellt werden. Eine Ausnahme stellt dabei nur der HDI dar, der zumindest im ersten Jahr der Leistung auf diese konkrete Verweisung verzichtet.

Einen entscheidenden Schritt weiter gehen Versicherung wie die Basler oder die Nürnberger.

Verzicht auf Verweisung Ärzte Basler BU-Versicherung

Hierbei können Sie eine beliebige Tätigkeit außerhalb Ihres Berufes als Arzt ausüben und dabei verdienen, was Sie möchten – Sie bekommen weiterhin Ihre volle Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt.

Wichtig für Ärzte mit eigener Praxis: eine gute Umorganisationsklausel

Wenn Sie bereits in Ihrer eigenen Praxis arbeiten oder für die Zukunft planen, sich mit einer Praxis niederzulassen, dann kommt es im Leistungsfall auch auf die Frage an, ob Sie Ihren Arbeitsplatz umorganisieren können und Ihre Lebensstellung dadurch erhalten bleibt.

 

Da diese Prüfung im Leistungsfall immer mal wieder komplex sein kann, kann es sinnvoll sein, wenn die Versicherung unter bestimmten Voraussetzungen auf diese Prüfung verzichtet. Dieser Verzicht der Umorganisationsklausel sieht am Markt allerdings von Versicherer zu Versicherer sehr unterschiedlich aus.

Verzicht auf Umorganisation BU-Versicherung Alte Leipziger

Die Alte Leipziger hat in Ihrer BU geregelt, dass bei Arztpraxen auf die Prüfung einer Umorganisation verzichtet wird, wenn die Praxis weniger als fünf Angestellte mit akademischem Abschluss in einem Heilberuf beschäftigt.

Verzicht Umorganisation Ärzte BU-Versicherung LV1871

Noch besser regelt es zum Beispiel die Berufsunfähigkeitsversicherung der LV1871.

Hierbei wird bei Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten sowie Apothekern komplett auf die Prüfung der Umorganisation verzichtet. Ganz egal, wie viele Mitarbeiter Sie haben.

 

Besonderheiten für Medizinstudenten in der BU-Versicherung

Auch für Studenten ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Besonders wichtig ist sie gerade für Medizinstudenten, da bereits während des Medizinstudiums eine sehr hohe Lebensstellung aufgebaut wird.

 

Allerdings macht es die Auswahl des passenden Tarifs noch etwas komplexer. Die oben genannten Punkte sollten ebenso erfüllt sein wie auch eine passende Regelung während des Studiums.

Für Studenten sollte dabei geregelt sein, dass spätestens ab der 2. Hälfte der Regelstudienzeit bereits die Lebensstellung als versichert gilt, die regelmäßig mit dem angestrebten Abschluss erreicht wird. Für Sie hat das den Vorteil, dass Sie dann bei der konkreten Verweisung bereits über das rechnerische Einkommen und das Ansehen verfügen, das Sie eigentlich erst nach dem Abschluss und dem Berufseinstieg erhalten.

 

Dadurch haben Sie im Fall der Fälle die Sicherheit, dass Sie sich beruflich neu orientieren können und weiterhin die volle BU-Rente erhalten.

 

Ein MUSS für Ärzte und Medizinstudenten ist die Aufteilung der BU-Rente

Als Ärztin oder Arzt erhalten Sie schon zum Berufsstart ein recht gutes Gehalt. Je nach Fachrichtung und Aufstieg steigt das Einkommen dann relativ schnell in den sechsstelligen Bereich.

Damit steigt gleichzeitig auch Ihr Absicherungsbedarf deutlich an. Das Versorgungswerk können Sie im Gegenzug erst ab einer 100%igen Berufsunfähigkeit berücksichtigen.

 

Leider stoßen nahezu alle BU-Tarife bei den Rentenhöhen für Ärzte schnell an ihre Grenzen. Die Nachversicherungen enden in der Regel bei einer Rentenhöhe von 3.000,- bis 4.000,- Euro. Bei der LV1871 und der Nürnberger geht es bei Gehaltserhöhungen noch einmal etwas höher, aber auch hier ist dann bei spätestens 5.000,- bis 6.000,- Euro monatlicher BU-Rente Schluss. Hinzu kommen dann zwar noch Erhöhungen aus der Beitragsdynamik, bei den meisten Ärzten reichen diese Rentenhöhen dennoch nicht.

 

Gerade von Chefärzten bekommen wir regelmäßig die Anfrage nach zusätzlichem Versicherungsschutz, weil die damals abgeschlossene Berufsunfähigkeitsabsicherung nicht reicht und sich auch nicht mehr ohne Gesundheitsfragen erhöhen lässt.

Damit Sie nicht in diese Situation kommen, empfehlen wir regelmäßig die Aufteilung der BU-Rente auf zwei Versicherungsgesellschaften.

 

Medizinstudenten sollten hierbei zusätzlich darauf achten, dass die Rente am Start schon bei 2.000,- Euro liegt. Bei der Aufteilung achten Sie bitte darauf, dass einige Versicherung Studenten bis maximal 1.500,- Euro versichern. Auch dies lässt sich durch eine clevere Aufteilung lösen.

 

Welche BU-Versicherungen empfehlen sich für Ärzte und Medizinstudenten?

Wie bei vielen Fragen zur Empfehlung der passenden Berufsunfähigkeitsversicherung lässt sich auch hier die Frage nach dem perfekten Anbieter nicht pauschal beantworten.

 

Die BU-PROFI MUST HAVES werden aktuell von den folgenden Versicherungen erfüllt:

  • Alte Leipziger
  • Basler
  • Condor
  • Continentale
  • Die Bayerische
  • ERGO
  • HDI
  • LV1871
  • Nürnberger
  • Volkswohl Bund

Bei der konkreten Empfehlung spielen dann zusätzlich noch die weiterführenden Bedingungen wie oben beschrieben sowie die Ergebnisse der Risikovoranfrage in der BU-Versicherung die entscheidende Rolle für die Empfehlung.

Um das Optimum aus der Nachversicherungsgarantie rauszuholen, ist zudem wichtig, darauf zu achten, dass nicht alle Anbieter untereinander gut harmonieren.

Gerade bei Medizinstudenten wäre eine Aufteilung auf die Bayerische in Kombination mit der Nürnberger nur bis insgesamt 1.500,- Euro BU-Rente möglich. Somit können Sie so schon einmal nicht die empfohlene Rente von 2.000,- Euro erreichen.

 

Damit Sie für Ihre perfekte Berufsunfähigkeitsversicherung nichts Wichtiges vergessen, können Sie sich gerne unseren kostenlosen Kennenlern-Termin buchen oder mein E-Book “DIE perfekte Berufsunfähigkeitsversicherung für Akademiker” kostenlos runterladen.

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