Versicherungen werden auch heute immer noch hauptsächlich auf Verbrauensbasis abgeschlossen. Wenn der Vertreter oder Versicherungsmakler nett ist und kompetent wirkt passt das bestimmt schon. Testsiege und Ratings beruhigen zudem das Gewissen. Die Versicherungsbedingungen finden dabei meistens (wenn überhaupt) eine untergeordnete Rolle.

Ohne Inhalt taugt die tollste Verpackung nichts

Alles super, alles toll – könnte man sich da doch denken. Aber Versicherungen sind eben nichts anderes als Verträge. Und diese beruhen eben auf dem Vertragswerk. Bei Versicherungen sind dies eben die Versicherungsbedingungen. Unbestimmte und unverbindliche Begriffe wie „kann“, „in der Regel“, „mehr als altersentsprechend“ und ähnliche können natürlich zu ihrem Wohlwollen ausgelegt werden. Müssen es aber nicht. Sind wir mal ehrlich: würden Sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben wenn Ihr Chef Ihnen jederzeit das Gehalt oder den Urlaub kürzen kann? Warum sollten Sie dann bei einer Versicherung solche Klauseln eingehen?

Worauf kommt es in den Versicherungsbedingungen an?

Hier sind ein paar Beispiele:

Versicherter Beruf

Sie sollten vor allem darauf achten, dass die versicherte Tätigkeit eindeutig definiert ist. Hier sollte „versichert ist der zuletzt ausgeübt Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Einschränkung ausgestaltet war“ stehen. Nur so ist Ihre tatsächliche Tätigkeit so abgesichert, wie Sie diese auch wirklich ausgeübt haben bevor Sie erkrankt sind.

Krankheit, Körperverletzung, Kräfteverfall

Auch ist es wichtig, dass als Ursache für die Berfsunfähigkeit neben der Krankheit und der Körperverletztung auch der „einfache“ Kräfteverfall versichert ist. Sollte hier nur der mehr als altersentsprechende Kräfteverfall abgesichert sein, sind Sie im Zweifelsfall in der Beweislast – nicht der Versicherer.

Konkrete Verweisung

Sind Sie berufsunfähig, gehen aber entweder einer anderen Tätigkeit oder iher alten Tätigkeit aber mit deutlich reduzierten Umfang (zum Beispiel ohne Nacht- und Schichtdienst) nach, sollten Sie auf eine klar definierte konkrete Verweisung achten. In Ihren Versicherungsbedingungen sollte eine feste prozentuale Grenze (z.B. 20%) genannt sein. Überschreitet Ihre Einkommenseinbuße diese Grenze gibt es die volle Berufsunfähigkeitsrente weiter gezahlt. Ohne wenn und aber.

Arztanordnungsklausel

Kranke möchten wieder gesund werden. Das trifft zumindest auf die meisten zu. Blöd kann es aber werden wenn die Versicherung im Leistungsfall von Ihnen alle möglichen Maßnahmen abverlangen darf. Machen Sie da nicht mehr mit, ist Feierabend mit Ihrer BU-Rente.

Meldepflichten

„bei einer Besserung Ihres Gesundheitszustandes müssen Sie sich unverzüglich melden“ – hätten Sie gedacht, dass so ein Satz in vielen Versicherungsbedingungen schlummert? Was ist überhaupt eine Besserung in diesem Sinne? Das ist leider nicht mehr definiert. Aber kurz darauf werden dann auch direkt die Konsequenzen angekündigt. Die Leistung kann Ihnen hier nämlich dem schwere des Verschuldens nach gekürzt werden.

Abstrakte Verweisung

Haben Sie eine abstrakte Verweisung vereinbart kann die Versicherung prüfen, ob Sie gesundheitlich noch in der Lage sind irgendeiner Tätigkeit nachzukommen. Es wird also hier keinen Wert mehr auf die tatsächliche Ausübung Ihrer letzten Tätigkeit gelegt. Um im Leistungsfall wirklich gut abgesichert zu sein sollten die Versicherungsbedingungen auf die Anwendung der abstrakten Verweisung klar und deutlich verzichtet.

Apropos abstrakte Verweisung: Auch wenn die Versicherungsbedingungen den Verzicht auf die abstrakte Verweisung klar definiert haben, gibt es bei einigen Versicherungen noch die „abstrakte Verweisung durch die Hintertür“. Hierbei sind Sie nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben (auch vorrübergehend wegen Elternzeit oder Arbeitslosigkeit) nicht mehr dauerhaft in Ihrer letzten Tätigkeit versichert. Unterbrechen Sie beispielsweise wegen Elternzeit für 5 oder 6 Jahre Ihre Arbeit und werden in dieser Zeit berufsunfähig, so können Sie bei einigen Versicherern abstrakt auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden.

Wer hat die besten Bedingungen?

Den Tarif mit den BESTEN Bedingungen gibt es nicht. Das muss es auch gar nicht. Vielmehr sollte die Auswahl des Tarifs nach den persönlichen Präferenzen und den beruflichen Gegebenheiten erfolgen. So kann zum Beispiel bei Beamten eine Dienstunfähigkeitsklausel oder bei Kranken- und Pflegepersonal eine Infektionsklausel sinnvoll sein. Bei Selbstständigen sind wiederum andere Dinge wichtig als beim Angestellten.