Eine wichtige Frage, die ich mit meinen Kunden in jeder Beratung bespreche, lautet  „Mit welchen Abzügen muss ich bei meiner Berufsunfähigkeitsrente rechen und was bleibt danach übrig?

Was bleibt von der Berufsunfähigkeitsversicherung nach Abzügen übrig

Leider gibt es keine pauschale Antwort, die für jeden passt. Es gibt dafür zu viele unt

erschiedlichen Punkte zu berücksichtigen.

In diesem Artikel finden Sie deswegen eine detaillierte Aufstellung, welche Abzüge von Ihrer BU-Rente entstehen können, wann dies der Fall ist und worauf Sie sonst noch achten sollten.

Sollen wir Ihnen das Thema näher erklären?

Falls Sie spezielle Fragen  haben, die in diesem Text nicht beantwotet werden können, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren!

Was bleibt von Ihrer BU-Rente nach Abzügen übrig?

Wie Sie in der Einleitung schon lesen konnten, wird es hier keine Antwort nach dem Motto „Ihnen werden XY Prozent von der Rente abgezogen“ gebe.

Es kommt nämlich immer auf Ihre individuelle Situation, die Höhe Ihrer Absicherung, Ihr Alter bei Eintritt der Berufsunfähigkeit und den Bezug von weiteren Leistungen wie dem Krankengeld oder der Erwerbsminderungsrente an, ob und was Sie von Ihrer BU-Rente abgeben müssen.

Wann müssen Sie auf Ihre BU-Leistung Steuern zahlen?

Die steuerliche Behandlung der Berufsunfähigkeitsversicherung hängt davon ab, ob es sich um eine selbstständige BU-Police (in der 3. Schicht), eine BU im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge oder um eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung im Rahmen einer Rürup-Rente (auch Basis-Rente genannt) handelt.

BU im Rahmen einer Rürup – Rente bzw. Basis – Rente

Bei einer BU-Leistung aus einer Basis-Rente wird in Kohorten versteuert.

Ausschlaggebend ist das Kalenderjahr, in dem Sie Ihre Leistung erstmalig beantragen. Seit dem Jahr 2020 muss die Rente zu 80% versteuert werden. Dieser zu versteuernde Anteil steigt nun jährlich um 1%, bis ab 2040 die kompletten 100% der Rente zu versteuern sind.

Werden Sie also zum Beispiel im Jahr 2025 berufsunfähig und haben Ihren BU-Schutz über eine Rürup-Police abgesichert, dann müssen Sie auf 85% der Rente Steuern zahlen.

Volle Steuern bei der BU aus Direktversicherungen

Wenn Sie eine Direktversicherung im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge über Ihren Arbeitgeber abgeschlossen haben, dann profitieren Sie von steuerfreien Beiträgen. Dies gilt auch für die Beitragsanteile der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die BU-Rente aus der Direktversicherung auch zu 100% der Steuerpflicht unterliegt. Sie ist wie ein Bruttoeinkommen voll zu versteuern.

Kaum oder sogar keine Steuern bei der privaten BU-Versicherung

Anders ist es bei der BU-Rente aus einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung in der 3. Schicht.

Diese wird mit dem sogenannten Ertragsanteil für abgekürzte Leibrenten versteuert. Nachlesen können Sie dies in der Einkommenssteuer-Durchführungsverordnung (EStDV 1955).

Damit Sie nicht lange suchen müssen, habe ich Ihnen die steuerliche Situation hier vereinfacht dargestellt

Ertragsanteil in der Berufsunfähigkeitsversicherung
Restliche Leistungsdauer Ihrer BU-Versicherung Ertragsanteil in % Restliche Leistungsdauer Ihrer BU-Versicherung Ertragsanteil in %
1 Jahr 0 25 Jahre 26
2 Jahre 1 30 Jahre 30
5 Jahre 5 35 Jahre 35
10 Jahre 12 40 Jahre 39
15 Jahre 16 45 Jahre 42
20 Jahre 21 57 Jahre 49

 

 

Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung bis zu Ihrem 67. Lebensjahr abgeschlossen haben und Sie werden mit 47 Jahren berufsunfähig, dann müssen Sie 21% von Ihrer BU-Rente versteuern.

Bei einer Rentenhöhe von 3.500,- Euro entspricht dies einem steuerpflichtigen Einkommen von 735,- Euro im Monat (21% aus 3.500,- Euro).

Mit diesem Steuerrechner vom Finanzministerium können Sie sich Ihre Steuer genau ausrechnen

In unserem obigen Beispiel brauchen Sie keine Steuern auf Ihre Berufsunfähigkeitsrente zu zahlen. Natürlich vorausgesetzt, dass Sie keine weiteren steuerpflichtigen Einkommen haben.

Steuern spielen damit in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung (3. Schicht) eine untergeordnete Rolle.

 

Werden Krankenversicherungsbeiträge auf Ihre BU-Rente fällig?

Auch in diesem Fall gibt es keine klare „Ja- oder Nein-“ Antwort.

Es kommt darauf an.

Das hängt zum einen davon ab, ob Sie gesetzlich oder privat krankenversichert sind und zum zweiten davon, welche sonstigen Bezüge Sie bekommen.

Private Krankenversicherung (PKV)

Wenn Sie privat krankenversichert sind, bleibt Ihr Beitrag im Fall einer Berufsunfähigkeit in gewohnter Höhe bestehen. Allerdings müssen Sie dann nichts mehr für das Krankentagegeld (KT) zahlen. Ich empfehle Ihnen das KT auf eine Anwartschaft umzustellen, wenn Sie voraussichtlich vor Ihrem Rentenalter wieder berufsfähig werden. Hierbei haben Sie die Wahl zwischen einer kleinen Anwartschaft, bei der Sie später ohne neue Gesundheitsfragen in die Krankentagegeldversicherung zurück kommen, und der großen Anwartschaft, die zusätzlich zu dem Verzicht auf die spätere Gesundheitsprüfung auch noch die bestehenden Alterungsrückstellungen für Sie absichert.

Wenn Sie Angestellt sind, dann beachten Sie bitte, dass der Arbeitgeberanteil in diesem Fall auch von Ihnen mitbezahlt werden muss.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Wenn Sie in der gesetzlichen Krankenkasse krankenversichert sind, gibt es grob drei Möglichkeiten:

  1. Sie üben neben Ihrer Berufsunfähigkeit einen anderen sozialversicherungspflichtigen Beruf aus. In diesem Fall brauchen Sie keine Beiträge auf Ihre Berufsunfähigkeitsrente zahlen.
  2. Sie beziehen eine Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Auch in diesem Szenario werden die privaten BU-Renten nicht versicherungspflichtig.
  3. wenn Sie weder einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen, noch eine Erwerbsminderungsrente beziehen, dann müssen Sie den vollen Beitragssatz (inkl. Arbeitgeberanteil) auf Ihre private BU-Versicherung abführen.

 

Planen Sie bei der Höhe Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung zwingend die Krankenversicherungsbeiträge mit ein. Immer!

Berufsunfähig sind Sie wesentlich eher als dass Sie Leistungen wegen Erwerbsminderung erhalten.

Das Sie in der Anfangsphase Ihrer Berufsunfähigkeit einer anderen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen ist zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Im späteren Verlauf Ihrer BU sieht das in der Regel schon etwas anders aus.

 

Berücksichtigen Sie Ihren Vermögensaufbau und Ihre Altersvorsorge!

Wenn Sie berufsunfähig werden, dann zahlen Sie automatisch keine Beiträge mehr in die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) oder Ihr Versorgungswerk ein.

Um Ihnen die Auswirkungen einmal zu verdeutlichen, hier ein paar Zahlen:

  • Verpassen Sie krankheitsbedingt 10 Jahre Einzahlungen in die GRV, dann wird Ihre Altersrente um rund 25% gekürzt
  • Wenn Sie 20 Jahre nicht einzahlen, dann bekommen Sie zum Rentenbeginn sogar nur die halbe Rente

 

Für Sie heißt das, dass Sie während der Berufsunfähigkeit deutlich mehr privat vorsorgen müssen als ohnehin schon.

Das betrifft im gleichen Umfang natürlich auch Selbstständige und Freiberufler oder Angestellte, die über die Beitragsbemessungsgrenze verdienen.

JEDER sollte in der Lage sein von seiner BU-Rente einen Teil in die private Vorsorge zu investieren.

 

Wie hoch sollte die BU-Rente sein, damit genügend zum Leben übrigbleibt?

Sie sehen also, dass die passende Rente immer sehr individuell ist und von mehreren Aspekten abhängt.

Grundsätzlich ist meine Empfehlung die BU-Rente möglichst auf 100% Ihres heutigen Nettoeinkommens zu bringen. Da Sie zusätzlich im Leistungsfall keine Beiträge mehr für Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen müssen (Beitragsbefreiung), haben Sie damit eine gute Basis geschaffen.

Zusätzlich ist es empfehlenswert, dass private Rentenversicherungen mit einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung abgeschlossen werden, die im Fall des Falles die Beiträge für Sie übernimmt.

Damit können Sie den zusätzlichen Bedarf an Krankenversicherungsbeiträgen in der Regel gut decken und haben außerdem noch Reserven, um die fehlende Rente der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen.

 

 

 

 

 

 

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