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Vereinfachte Gesundheitsfragen als Hinterhalt?

Führen vereinfachte Gesundheitsfragen auf einem Antrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung Verbraucher in einen Hinterhalt der Versicherungen? Halten sich die Versicherungsgesellschaften nicht an geltendes Recht?

 

 

 

Sie möchten eine Berufsunfähigkeitsversicherung, sind aber schon krank?

In solchen Fällen bieten einige Versicherungsgesellschaften regelmäßig Aktionen mit verkürzten bzw. vereinfachte Gesundheitsfragen an. Dies schien lange Zeit DIE Lösung für alle zu sein, die schon diverse Erkrankungen in die Beratung „mitbringen“.

Nun meldet sich ein Versicherungsmakler in seinem Blog und diversen Presseartikeln im Versicherungs Journal, Pfefferminzia und einigen weiteren zu Wort. Bei zwei seiner Kunden wurde die Leistung mit Verweis auf die „spontane Anzeigepflichtverletzung“ abgelehnt worden. Hebeln Versicherungen also mit einem Taschenspielertrick das Versicherungsvertragsgesetzt aus?

Bergen vereinfachte Gesundheitsfragen nun den Wolf im Schafspelz?

Dieser Eindruck kann sich bei einem Laien nun schnell verfestigen. Zumindest ohne den Sachverhalt zu kennen. Und ich gebe an dieser Stelle gerne zu, dass ich auch nur den Sachverhalt aus Blog und Presse kenne. Daher kann ich mich bei meiner Bewertung nur daran orientieren.

In den beiden Fällen handelt es sich um Kunden, die mit erheblichen Vorerkrankungen eine BU-Versicherung abschließen wollten. Bei dem einen handelt es sich um eine MS (Multiple Sklerose) Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Im anderen Fall geht es um einen Kunden, der unter Diabetes Typ 2 und chronischer Niereninsuffizienz leidet.

Anhand der bis hier vorhandenen Angaben kann man davon ausgehen, dass beiden Kunden klar ist, aufgrund des bisherigen Verlaufs alsbald Berufsunfähig zu werden. Auch kommt der Umstand hinzu, dass der MS Patient erst acht Jahre nach Ausbruch der Erkrankung einen Antrag auf Versicherung stellte und zwei Jahre darauf Leistungen in Anspruch nehmen wollte.

Quelle: Versicherungsjournal

Zwar wurde nach keiner von beiden Krankheiten im Antrag (mit verinfachte Gesundheitsfragen) gefragt und in §19 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) steht geschrieben, dass die zu versichernde Person nur angeben muss wonach in Textfom gefragt wird. Aber §22 VVG beschreibt eben, dass das Recht auf Anfechtung bei arglistiger Täuschung unberührt bleibt.

Und arlistige Täuschung ist eben die Erschleichung von (Versicherungs-)leistungen (oder der Versuch).

Liegt hier argliste Täuschung vor?

Aus der Ferne lässt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten, denn solche Fälle sind sehr komplex. Daher wird dies ein Fall für Juristen, nicht für Versicherungsmakler.

Der Verdacht einer arglistigen Täuschung liegt aber zumindest sehr nahe, denn sollte den jeweiligen Kunden schon bei Abschluss klar gewesen sein, dass sie aufgrund der bestehenden Erkrankung berufsunfähig werden, stellt dies einen recht eindeutigen Tatbestand dar (aus meiner Sicht).

Lassen Sie uns nicht vergessen, dass es nicht (nur) die Versicherung ist, die die Zeche zahlt, sondern (auch) jeder Versicherte, der eben gerade keine Leistungen in Anspruch nimmt und seine Beiträge zahlt.

Etwas deutlicher wird es vielleicht mit einem Beispiel. Stellen Sie sich vor, Sie bauen eine Hütte mitten im Wald. Keinen kleinen Schuppen, sondern ein richtiges Holzhäuschen. Sie gehen natürlich davon aus, dass es im Wald sicher ist und halten nichts davon dieses Haus gegen Feuer zu versichern.

Eines Tages gibt es einen Waldbrand. In Ihrem Wald. Sie wissen, worauf das hinauslaufen wird. Schnell rennen Sie zu Ihrem Versicherungsmakler und suchen nach einer Lösung mit „vereinfachte Gesundheitsfragen„, also zum Beispiel „war Ihr Gebäude in den letzten 5 Jahren bereits von Schäden betroffen oder befindet sich Ihr Gebäude neben einem feuergefährlichen Betrieb?“.

Diese Fragen können Sie verneinen. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass Sie ganz bewusst eine Versicherung abschließen, weil Sie wissen, dass Ihr Haus in den nächsten zehn Stunden lichterloh brennt.

Ist das fair?

Welche Lehre sollten Sie als Verbraucher daraus ziehen?

Vorweg für Sie eine wichtige Info: wenn Sie mit einem Profi für Berufsunfähigkeitsversicherungen zusammenarbeiten, sollte dieser wissen, was geht und was nicht geht. Dabei sprechen wir gemeinsam durch wie Sie die passende Berufsunfähigkeitsversicherung finden  und welche Fallstricke es zu vermeiden gilt.

Angebote mit vereinfachte Gesundheitsfragen setze ich beispielsweise nur im „äußersten Notfall“ ein. Zum Einen, weil ich mit einer sauberen Aufbereitung nahezu immer eine praktikable Lösung für meine Kunden bekomme, weil Sie so keine unnötigen Risiken eingehen und nicht zuletzt, weil die maximale Höhe in diesen Aktionsanträgen meistens nur bis 750,- Euro – 1.000,- Euro Rente reicht. Also zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig.

Daraus abzuleiten ist also, dass diese Varianten maximal eine Ergänzug sein können.

Lieber früher handeln

Besser ist es frühzeitig, also bestenfalls schon eine Berufsfunfähigkeitsversicherung für Schüler, abzuschließen. In dem Alter (ab dem 10. Lebensjahr) sind die meisten noch gesund, haben moderate Hobbys und der „Beruf“ eines Schülers zählt immer noch zu den günstigeren.

Wer sogar noch eher handeln möchte hat die Mögichkeit diverse Kinderprodukte (ab der Geburt) inkl. Option auf den späteren Abschluss einer BU-Versicherung, zumindest mit ganz stark vereinfachte Gesundheitsfragen, abzuschließen. Das damit das Grundproblem allerdings nicht gelöst ist, sollte sich aus diesem Artikel ergeben haben.

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Wann Sie auf eine Unfallversicherung verzichten können

Warum Sie auf eine Unfallversicherung verzichten können titelt Spiegel Online am 16.09.2017. Als Experten lassen Sie dabei Hermann- Josef Tenhagen in einer Kolumne zu Wort kommen. Also den Herrn Tenhagen, der mit seiner Firma Finanztip auf wohltätigen Verbraucherschützer macht, dann aber teure Leads an Versicherungsvermittler verkauft. Bisher konnte man eher fragwürdiges von ihm lesen. Dies nur, damit Sie den Autor besser einschätzen können.   SOON zur Unfallversicherung

Zahlen, Daten, Fakten zur Unfallversicherung

Herr Tenhagen gibt an, dass sich die Anzahl verkaufter Unfallversicherung zwischen 1985 und 2000 verdoppelt hat. Dies führt er auf die neuen Bundesländer zurück, deren Menschen wohl sehr naiv seien. So „waren sie diese Art der Verkaufsgespräche nicht gewohnt“ und „hatten noch weniger Ahnung von den Provisionsmodellen“.

Also der Doofe Ossi, der auf alles drauf herein fällt was neu ist? Das ist doch ein bisschen zu einfach oder Herr Tenhagen? Immer wieder wird diese Provisions-Keule geschwungen. Wo unterscheidet sich eine Provision noch mal genau vom Verkauf von Leads an Vermittler, Herr Tenhagen? Aber wir schweifen ab, zurück zur Unfallversicherung. Da kommt nur in der Kolumne nichts mehr. Also fachlicher Mehrwert bisher gleich null (0).

 

Eine Unfallversicherung hilft in schwierigen Lebenslagen?

In schwierigen Lebenssituationen zahlt die UnfallversicherungIch zitiere „Die private Unfallversicherung war und ist für solche Verkaufserfolge besonders geeignet. Denn sie gaukelt vor, in schwierigen Lebenssituationen tatsächlich zu zahlen. Genau wie der Laie bei der Risikolebensversicherung versteht, okay, die zahlt, wenn ich tot bin, so denkt er bei der Unfallversicherung: Die zahlt, wenn ich einen Unfall habe.“

 

Direkt danach weist der Autor dann darauf hin, dass sie das aber nicht tue. Das hört sich ja nach einem Skandal an!?

Leider versucht er dann auch noch das ganze zu begründen. Und zwar ziemlich plumb. Bei einem Beinbruch mit gutem Heilungsverlauf gibt es also keine Leistung aus einer Unfallversicherung. Das ist erstes schon einmal falsch, denn in einer Unfallversicherung sind auch

Beinbruch Unfallversicherung

Krankenhaustagegelder, Krankentagegelder, Gipsgelder oder Hilfeleistungen im Haushalt absicherbar, zweitens sehe ich hier aber keinerlei Bezug auf eine „schwierige Lebenssituation“. Sicher, ein kaputtes Bein für 6 Wochen ist Mist. Ich weiß wovon ich rede, hatte ich doch selbst schon zwei Sprunggelenkfrakturen durch einen Unfall (meine Unfallversicherung hat übrigens unterstützend geleistet), in eine schwierige Lebenssituation bin ich allerdings nicht gekommen.

Glücklicher Weise geht oft alles wieder gut. Knochen und Bänder wachsen meistens wieder sauber zusammen. Leider gibt es aber auch genügend Fälle bei denen ein Arm oder Bein stark eingeschränkt bleibt oder sogar amputiert werden muss. Auch ein Steinchen im Auge kann schnell zur Erblindung führen. Und genau in diesen Fällen ist finanzielle Hilfe enorm wichtig.

Wissen wo was hingehört

Von Ratingagenturen wie z.B. Franke & Bornberg (hier schmeisst man alles, auch die Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung, in einen Topf und nennt dies Arbeitskraftabsicherung) aber auch von vielen Versicherungsvermittlern und vermeintlichen Experten wird immer wieder ein fataler Fehler begangen: Man vergleicht eine Unfallversicherung mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung, einer Grundfähigkeitsversicherung und (wenn es ganz dumm läuft) einer Schweren-Krankheiten-Versicherung. Diesem Irrtum unterligt auch Josef Tenhagen.

Er weist nämlich darauf hin, dass eine Berufsunfähigkeit nur in rund 10% aller Fälle durch einen Unfall ausgelöst wird. Daber habe eine BU-Versicherung absoluten vorrang. Hier hat er sogar absolut recht – für die Absicherung einer Berufsunfähigkeit braucht es eine BU-Police. Da gibt es keine andere Wahl. Denn eine BU-Absicherung ist eine Status-Absicherung. Sie sichert meine aktuelle soziale Stellung und mein Einkommen ab. Das kann keine Unfallversicherung, es ist aber auch nicht ihre Aufgabe.

 

Unwissenheit oder volle Absicht – immerhin verdient die Firma von Herrn Tenhagen an den Leads prächtig, die nun generiert werden sollen. Nun wird nämlich unter dem Vermerk auf „Alternativen“ zur (Achtung) Berufsunfähigkeitsversicherung auch die Unfallversicherung aufgeführt. Helfen können hier Partner (geschwärzt), die für jeden Klick bezahlen dürfen.

 

Unfallversicherung – für wen geeignet, für wen nicht

Halten wir also fest, dass die Unfallversicherung niemals eine Alternative zur BU-Versicherung sein kann, sondern immer nur eine Ergänzung. Dazu sollte diese tatsächlich möglichst schlank daher kommen und nicht mehr enthalten als unbedingt notwendig, denn alles andere kostet viel Geld.

Für einen Arbeitnehmer mit Lohnfortzahlung und Krankengeldansprüchen (evtl. noch privater Krankentagegeldversicherung) braucht es kein extra Krankenhaustagegeld. Bei Selbstständigen und Freiberuflern hingegen kann diese Absicherung druchaus Sinn ergeben.

Eine Todesfallleistung hat aus meiner Sicht in der Unfallversicherung ebenfalls nichts zu suchen, ebenso ein Gipsgeld / Knochenbruchgeld. Auch eine Unfallrente ist unfug, denn diese würde tatsächlich eine Sicherung des Einkommens suggerieren.

Konzentrieren sollten Sie sich viel mehr auf eine angemessene Invaliditätsgrundsumme mit einer gut ausgestalteten Progression und einer hohen Gliedertaxe. Zudem sollten die Bedingungen nach Möglichkeit keinen Abzug bei Mitwirkungen von Krankheiten oder Gebrechen hergeben. Auch eine Erweiterung des Unfallbegriffs zum Beispiel um Eigenbewegungen und erhöhte Kraftanstrengungen sowie ein Verzicht auf Ausschlüsse von Unfällen durch Alkohol und Medikamente sowie diverse Erkrankungen wie Herzinfarkte sollten zwingend erfüllt sein.

Nun sind Sie kostengünstig für den Fall abgesichert, dass Sie durch einen Unfall mit Folge einer Invalidität zum Beispiel Umbauten am Haus (wie kommen Sie die Treppe hoch? Können Sie Ihr Bad oder Ihre Küche noch ohne Veränderung nutzen? etc.) vornehmen müssen oder sich ein behindertengerechtes Auto zulegen sollten um mobil zu bleiben.

In diesen Szenarien hilft Ihnen übrigens auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung nichts, denn aus der BU-Rente als Ersatz zum regelmäßigen Einkommen müssten Sie sich eine hohe Summe erst einmal zusammensparen oder alternativ einen Kredit aufnehmen. Es darf hier also nicht entweder-oder heißen, sondern UND.

Holen Sie sich einen echten Fachmann / Fachfrau zur Seite

Am besten Sie lassen sich ein gesamtes Absicherungskonzept zusammenstellen. Damit haben Sie den für sich passenden Schutz ohne große Überschneidungen und ohne zu viel Geld dafür zu bezahlen. Dazu wenden Sie sich am besten an einen auf diese Absicherung spezialisierten Versicherungsmakler.

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Ob Sie auf eine Risikovoranfrage in der Berufsunfähigkeitsversicherung verzichten können, lesen Sie hier

Wie viel Verbraucherschutz bekommen Sie bei einer Verbraucherzentrale?