Beiträge

Wenn Sie Ihre BU-Versicherung bei der WWK Lebensversicherung a.G. haben, hatten Sie sicherlich schon ein unerfreuliches Schreiben in Ihrem Briefkasten. Die Beiträge erhöhen sich ab dem 01.01.2018 deutlich. Was jetzt zu tun ist lesen Sie in meinem heutigen Beitrag.

Beitragserhöhung Berufsunfähigkeitsversicherung

(Keine) Schöne Bescherung

Einige WWK Kunden werden sich beim Öffnen des Schreibens der letzten Tagen erschrocken haben. Bis zu 35% ist der zu zahlende Beitrag für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung gestiegen. Das ist mal eine Ansage. Aber einige von ihnen werden ein Déjà-vu haben, sie erhalten dieses Schreiben schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren.

Aber nicht nur die Kunden der WWK Lebensversicherung hat es getroffen. Vor ein paar Jahren gab es zum Beispiel auch ordentliche Beitragserhöhungen bei der Hanse Merkur Berufsunfähigkeitsversicherung und zu vor auch schon einmal bei einigen anderen.

Beitragserhöhung Berufsunfähigkeitsversicherung – wie kann so etwas passieren?

Bei der Kalkulation einer BU-Versicherung wird eine Vielzahl von Rechnungsgrundlagen berücksichtigt. Unter anderem das Eintrittsalter, die Laufzeit, die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden oder auch der bei Abschluss gültige Höchstrechnungszins (oft als Garantiezins bezeichnet). Aus diesen und weiterer Grundlagen ergibt sich dann der Tarifbeitrag, der umgangssprachlich auch Bruttobeitrag genannt wird.

In dieser Kalkulation sind aber auch Sicherheitspuffer und Risikogewinne einkalkuliert. Diese Gewinne entstehen dadurch, dass glücklicher Weise nicht jeder Versicherte auch seine Leistung benötigt. Ein Großteil dieser Überschüsse steht Ihnen als Kunde zu.

Was damit geschehen soll können Sie ebenfalls in vielen Fällen selbst entscheiden. Zum Beispiel lässt sich dieses Geld in einen Investmentfonds oder die klassische Anlage der Versicherungsgesellschaft investieren. Am Ende der Laufzeit kann das Guthaben dann steuerfrei ausgezahlt werden.

Die von mir in der Regel empfohlene Variante ist jedoch die direkte Verrechnung mit den Beiträgen. Der Tarifbeitrag wird dann direkt um die Überschüsse reduziert und Sie zahlen einen geringeren Beitrag – den sogenannten Nettobeitrag.

Entgegen dem über die Laufzeit garantierten Bruttobeitrag hängt der zu zahlende Nettobeitrag sehr stark von den tatsächlichen Risikogewinnen ab. Und wenn ein Aktuar bei der Kalkulation ein bisschen zu optimistisch gerechnet hat und die Überschüsse sinken, dann steigt eben der Zahlbeitrag. Es mag aber auch Versicherungen geben, die sich bewusst „verkalkuliert“ haben. So lassen sich falsch beratene Kunden schnell auf so einen Vertrag ein. Nach wenigen Jahren kommt dann das böse Erwachen eines wesentlich höheren Beitrags.

Augen offen halten

Wenn Sie sich von vorne herein möglichst vor Beitragserhöhungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung schützen wollen, prüfen Sie die Differenz zwischen Tarif- und Zahlbeitrag. Je höher diese ist, je wahrscheinlicher sind Anpassungen. Auch sollten Sie generell den Bruttobeitrag im Blick haben. Es kann sich lohnen heute Netto ein paar Euro mehr zu zahlen als bei einem vermeintlich günstigeren Anbieter, wenn der Tarifbeitrag günstiger ist.

Andererseits muss ich an dieser Stelle aber auch klarstellen, dass vor dem Beitragsvergleich immer die passenden Versicherungsbedingungen gefunden werden sollten. Es bringt ja herzlich wenig, wenn Sie zwar nur einen geringen und dauerhaft stabilen Betrag im Monat zahlen müssen, wenn es drauf ankommt aber große Probleme haben Ihre Rente zu erhalten.

Worauf Sie sonst noch bei der Auswahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten sollten.

Was tun nach einer Erhöhung?

Sie haben schon eine Berufsunfähigkeitsversicherung und sind nun auch von einer Beitragserhöhung betroffen? Dann sollten Sie eine wichtige Regel beherzigen: auf keinen Fall sofort kündigen!

Vielmehr sollten Sie sich fachmännisch beraten lassen um folgende Punkte zu klären:

  • Wie lange läuft Ihr Vertrag schon? Sind Sie gegebenenfalls schon aus der 10-Jahresfrist zur Prüfung der Vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung heraus? Bei einem Wechsel beginnt diese selbstverständlich wieder von vorne.
  • Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich zahlreiche Rechnungsgrundlagen verändert haben wie zum Beispiel Ihr Eintrittsalter, der Garantiezins aber auch die Kalkulation der unterschiedlichen Berufsgruppen. Dies kann einen Neuvertrag teurer, aber auch günstiger machen.
  • Wie sind die Versicherungsbedingungen Ihrer aktuellen Versicherung? Gibt es in Ihrem Vertragswerk vielleicht Klauseln, die Sie heute gar nicht mehr bekommen? Oder sind Ihre Bedingungen längst überholt und ein Wechsel wäre auch aus Leistungssicht angeraten?
  • Steht es um Ihren Gesundheitszustand nach wie vor gut? Haben sich seit Abschluss der bestehenden BU gesundheitliche Verschlechterungen ergeben, die zu einer Ablehnung oder zu Klauseln oder Risikozuschlägen führen können?
  • Ist der Tarifbeitrag im aktuellen Vertrag zum nun gestiegenen Beitrag immer noch ein gutes Stück entfernt? In solchen Fällen ist auch zu bedenken wie wahrscheinlich dann eine erneute Erhöhung in den nächsten Jahren ist.

Nur wenn die oben genannten Fragen abschließend geklärt sind und Sie sich einen vollständigen Marktüberblick zu Leistungen und Beträgen verschafft haben, lässt sich eine Entscheidung treffen.

Ein Wechsel der Berufsunfähigkeitsversicherung ist, anders als immer wieder mal behauptet, kein „no-go“. Wenn alle Spielregeln eingehalten werden kann sich dieser sogar als sehr positiv für Sie zeigen.

Das gilt es aber unbedingt zu prüfen, denn  in vielen Fällen kann es auch sehr sinnvoll sein die bestehende Versicherung trotz höherem Beitrag zu behalten.

Mehr zum Thema

Auch andere Makler haben sich mittlerweile zum Thema „Beitragserhöhung Berufsunfähigkeitsversicherung“ geäußert. So zum Beispiel Tobias Bierl in seinem Artikel Schöne Bescherung – die WWK erhöht massiv den Nettobeitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung & Risikolebensversicherung

Haben Sie schon einmal von der Schwere Krankheiten Versicherung gehört? Es gibt sogar Leute die behaupten die sogenannte Dread Disease Versicherung wäre die bessere Absicherung gegen Berufsunfähigkeit.

Schwere Krankheiten Versicherung

BU Versicherung oder Schwere Krankheiten Versicherung?

Es ist schon eine Weile her, als mich die Canada Life frage ob ich denn schon einmal etwas von der Dread Disease Versicherung gehört habe. Gehört hatte ich schon etwas davon, mich aber noch nicht wirklich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

„Nehmen wir einmal an Sie bekommen einen Herzinfarkt. Nach 4 Wochen Krankenhaus folgen 8 Wochen Kur und noch einmal 4 Wochen Krankschreibung“ fing der gute Herr der Canada Life an und führte aus „das macht insgesamt 4-5 Monate. Danach können Sie wieder arbeiten. Ihr Arzt rät Ihnen aber dazu, dass Sie besser auf sich achten. Kein Alkohol, keine Zigaretten und weniger Stress. Weniger Arbeit. Was sagt Ihr Chef dazu? Zahlt er Ihnen weiterhin das gleiche Gehalt? Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt aber keinen Cent, denn Sie sind ja gar nicht berufsunfähig“.

Das ist doch mal eine schlüssige Verkaufsstory und ja, ich gebe zu, erst einmal musste ich schlucken und gedanklich zugeben, dass er recht hat.

Dann allerdings hatten mich meine Sinne wieder im Griff: Was ist mit Berufsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen, durch Rückenerkrankungen oder durch überhaupt eine Erkrankung, die im Rahmen der Schwere Krankheiten Versicherung nicht definiert ist?

Außerdem gibt es eine Einmalzahlung anstelle einer Rente. Gut, bei kürzeren Ausfällen ist das sicherlich mehr, aber was passiert bei einer langen Berufsunfähigkeit wenn die einmal ausgezahlte Summe verbraucht ist?

Der Ursprung der Schwere Krankheiten Versicherung

Erfunden wurde die Dread Disease Versicherung 1983, bzw. der Vorläufer davon,  von einem Herzchirurgen Namens Marius Barnard. Er war in Südafrika tätig und stellte fest, dass sich viele Herzpatienten eine aufwendige Herztransplantation oder -Behandlung einfach nicht leisten konnten. Um dieses Problem zu lösen erfand er eine entsprechende Versicherung dafür. Alle zahlen in einen Topf ein und die schwer Kranken bekommen Geld für die Behandlung.

Die Idee war es also schon seit nun mehr als 30 Jahren die finanziellen Mittel für eine entsprechende Medizin zu erhalten. Keiner dachte dabei an einen etwaigen Verdienstausfall. Es ging einzig und allein um das „wieder gesund werden“.

Nach diesem kurzen Blick in die Vergangenheit lässt sich schon sehr schön schlussfolgern, dass die Schwere Krankheiten Versicherung auch gar kein Ersatz zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung sein möchte. Sondern eine ganz eigene Absicherungsform.

Wofür eine Schwere Krankheiten Versicherung?

Eine solche Versicherung sollte eigentlich (fast) jeder haben. Auch dann, wenn Sie bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, denn diese hat die Aufgabe Ihre soziale Stellung zu wahren und zahlt Ihnen einen Ersatz zu Ihrem bisherigen Einkommen.

Die Dread Disease Versicherung zahlt Ihnen darüber hinaus eine einmalige Summe zur freien Verfügung. Also für Kosten die Sie aus Ihrem Einkommen, respektive der BU-Rente als Einkommensersatz, nicht finanzieren können. Neben den bereits bei der Erfindung dieser Versicherungsform bedachten Kosten für hochwertige medizinische Behandlungen lässt sich mit einer größeren Summe Geld aber auch noch anderes sinnvolles anstellen.

Zum Beispiel können Sie von dem Geld ein gegebenenfalls noch vorhandenes Darlehen für eine Wohnimmobilie tilgen und damit eine große Entlastung schaffen. Sie können Sich oder Ihren Lieben auch Zeit erkaufen. Nehmen wir einmal an Sie müssen wegen einer stationären Krebsbehandlung in ein Krankenhaus, welches über 100 Kilometer von Ihrem zu Hause entfernt ist. Kann sich Ihr Partner / Ihrer Partnerin erlauben bei Ihnen zu sein und unbezahlt Urlaub zu nehmen? Wer zahlt den Aufenthalt?

Aus dem gleichen Grund habe ich eine solche Versicherung für meine einjährige Tochter abgeschlossen. Ich selbst möchte im Falle eines solchen Schicksalsschlags alle Möglichkeiten haben bei meiner Tochter zu sein und für diese Zeit nicht auf das Geldverdienen angewiesen sein.

Letztendlich ist es jedem selbst überlassen was er mit dem Geld macht. Es steht zu Ihrer freien Verfügung. Sie entscheiden ganz alleine.

Ein gerade veröffentlichter Artikel des Spiegel „Jeder Zweite erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs“ verdeutlicht: Es gibt immer mehr Fälle von Neuerkrankungen. Gleichzeitig steigt aber auch die Überlebenschance deutlich an.

Und Krebs ist nur eine der versicherten Krankheiten!

Schwere Krankheiten Definition

Geld bekommen Sie grundsätzlich dann, wenn eine der Krankheiten (oder auch Behandlungen) eintritt, die im Bedingungswerk definiert sind. So wirbt die Canada Life Schwere Krankheiten Versicherung mit 46 versicherten Krankheiten. Unter anderem Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Knochenmarktransplantation, Koma, Verlust von Seh- und Hörfähigkeit und einiges mehr.

Tritt eine Krankheit oder Behandlung auf, die nicht unter den 46 genannt ist, gibt es auch keine Hilfe.

Außerdem sind die Leistungsauslöser der einzelnen Tarife im Detail sehr unterschiedlich. So steht beispielsweise in der Gothaer Dread Disease am Beispiel Krebs, dass die Erkrankung schwer sein muss. Was das bedeutet sehen Sie an folgendem Beispiel.

Gothaer Dread Disease

Auszug aus den Versicherungsbedingungen der Gothaer Versicherung

Ganz einfach, oder? Weiß der Laie jetzt wirklich wann er Geld bekommt?

Bei der Canada Life Schwere Krankheiten Versicherung, die ja auch mit der Krankheit „Herzinfarkt“ wirbt, sind zum Beispiel die sogenannten nicht-st-strecken-hebungsinfarkte ausgeschlossen. Hätten Sie gewusst, dass damit rund jeder zweite Herzinfarkt nicht versichert ist?

Diese für den medizinischen Laien unverständlichen Formulierungen ziehen sich leider so durch die meisten Krankheiten bei (fast) allen Versicherungen durch.

Der Nürnberger Ernstfallschutz stellt in Sachen Klarheit aktuell ein Novum dar. Am Beispiel Krebs wird bereits eine Teilleistung erbracht, wenn der Tumor mit einer Operation komplett entfernt wird oder ausschließlich eine Bestrahlung erfolgt. Bei Operationen mit begleitender Strahlentherapie oder einer Chemotherapie wird die gesamte Versicherungsleistung fällig. Unabhängig von der Klassifizierung.

Das versteht auch der Nicht-Mediziner.

Wie wird der Beitrag kalkuliert?

Die Canada Life, die Gothaer und die Prisma Life (ex Cardea Life) lassen im Hintergrund einen Investmentfonds laufen. Bei einer vorher bestimmten jährlichen Rendite bleibt der Beitrag für Sie gleich. Schafft der Fonds diese Performance jedoch nicht mehr kann es für Sie richtig teuer werden. Einen Maximalbeitrag gibt es hier nicht.

Die Nürnberger und die Bayerische kalkulieren, wie auch schon bei ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung, mit einem garantierten Beitrag, der um die Risikoüberschüsse reduziert wird. Die Zurich hingegen beteiligt seine Kunden nicht an den Überschüssen. Dafür ist der im Vertrag genannte Beitrag sogar für die gesamte Laufzeit garantiert, da auf die Anwendung des §163 Versicherungsvertragsgesetz verzichtet wird.

Grundsätzlich ist es bei Verträgen mit einer solch langen Laufzeit empfehlenswert einen dauerhaft stabilen Beitrag garantiert zu bekommen.

Ohne Beratung keine Dread Disease Versicherung

Die Frage ob nun lieber eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Schwere Krankheiten Versicherung stellt sich also nicht. Optimal ist eine duale Absicherung.

Sehr wohl sollten Sie sich aber gut überlegen welcher Versicherung Sie dieses Risiko anvertrauen. Wie auch bei der BU-Versicherung gibt es hierbei viele unterschiedliche Ausprägungen und Klauseln. So individuell wie jeder Mensch muss auch seine Absicherung / Versicherung sein.

Lassen Sie sich dazu aber unbedingt von einem spezialisierten Versicherungsmakler beraten. Insbesondere auch deswegen, weil neben einem Marktüberblick und Prüfung der Versicherungsbedingungen auch medizinische Kenntnisse zur Beurteilung des passenden Tarifes notwendig sind.