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Ist die Grundfähigkeitsversicherung eine Alternative zur BU?

Immer mehr Versicherer nehmen eine Grundfähigkeitsversicherung in Ihr Sortiment mit auf. Sie soll insbesondere bei handwerklichen Berufen die BU-Versicherung ablösen. Bietet sie eine Alternative?

Grundfähigkeitsversicherung

Die Grundfähigkeitsversicherung als Problemlöser?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist in den letzten Jahren stetig günstiger geworden. Zumindest, wenn Sie zu dem Personenkreis der Akademiker und kaufmännischen Berufe gehören. Arbeiten Sie jedoch mit Ihren Händen, Beinen oder sonst irgendwie körperlich, haben wahrscheinlich auch Sie erst einmal schlucken müssen, als Sie den Beitrag für eine BU-Police gesehen haben. Häufig wird in diesem Moment an der Leistungshöhe (Höhe der BU-Rente) oder an der Laufzeit des Vertrags (zum Beispiel auf das 60. Lebensjahr) geschraubt. Im Ergebnis zahlen Sie dann zwar deutlich weniger, haben aber Leistungsfall das dicke Problem.

Das haben auch die Versicherungsgesellschaften erkannt und die Grundfähigkeitsversicherung, die eigentlich mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden war, wiederbelebt. Sie soll nun insbesondere für Handwerksberufe die Lösung des Problems sein.

Neustart mit ein paar Modifizierungen

Vor ein paar Jahren hat der Volkswohl Bund das Produkt Existenz auf den Markt gebracht. Dabei handelt es sich um eine überarbeitete Grundfähigkeitsversicherung mit schnellerem Zugang zur Leistung für den Kunden. Mussten bisher 3 Grundfähigkeiten gleichzeitig verloren gehen, reicht nun der Verlust von einer, über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten, aus. Dazu wird durch einfache Gesundheits- und Risikofragen die Annahme auch bei mehreren Vorerkrankungen erleichtert. Insbesondere Handwerker sind hier fast um die Hälfte günstiger als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Mittlerweile springen immer mehr Versicherungsgesellschaften auf diesen Zug auf. Von „A“ wie Allianz bis „Z“ wie Zurich.

Wann zahlt die Grundfähigkeitsversicherung?

Wie oben schon einmal erwähnt, müssen bestimmte Fähigkeiten über einen bestimmten Zeitraum verloren gehen. In den besseren Tarifen  reicht es mittlerweile aus, wenn mindestens eine Fähigkeit verloren gegangen ist. Zum Beispiel ist bei der Benutzung der Hände nun in der Regel nicht mehr notwendig, dass beide Hände gleichzeitig funktionsunfähig sind.

Allerdings gibt es auch keine klaren Definitionen, an denen man sich orientieren kann. Als Beispiel schreibt ein Versicherer bei dem Gebrauch der Hand, dass die versicherte Person nicht mehr in der Lage sein darf, einen Wasserhahn auf und wieder zu zudrehen. Ein schreibt davon, dass es unmöglich sein muss eine Glühbirne in eine Fassung rein und wieder raus zu drehen. Was ist nun besser? Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten.

Geht eine in den Versicherungsbedingungen definierte Fähigkeit über einen Zeitraum von (in der Regel) 12 Monaten verloren, wird eine monatliche Rente ausgezahlt. Entweder, bis die Versicherung abläuft oder bis die Fähigkeit widererlangt ist.

Wer bis hierhin aufmerksam gelesen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass der Beruf bisher noch überhaupt keine Rolle gespielt hat. Demnach ist es durchaus möglich, eine Rente ausgezahlt zu bekommen, obwohl Sie mit Ihrem Handicap weiter arbeiten können. Können Sie aber Ihren Beruf nicht mehr ausüben, bei der Ursache handelt es sich aber um keine klar definierte Fähigkeit, die Sie verloren haben, bekommen Sie aus dieser Versicherung keinen einzigen Cent. Insbesondere aufgrund psychischer Leiden ist es nahezu unmöglich aus einer Grundfähigkeitsversicherung Geld zu bekommen. Sogar dann, wenn von einem „Baustein Psyche“ die Rede ist.

Alternative oder Mumpitz?

Kritiker dieser Versicherungsform führen an, dass die Grundfähigkeitsversicherung niemals die Berufsunfähigkeitsversicherung ersetzen kann. Die einzig richtige Absicherung ist demnach die BU.

Aus meiner Sicht beginnt der Denkfehler von Versicherungen, Verbrauchern und auch Versicherungsvermittlern (insbesondere Versicherungsmaklern, da Versicherungsvertreter meistens 1:1 die Meinung Ihrer Gesellschaft übernehmen „müssen“) ganz am Anfang. Nämlich an der Stelle, an der die beiden Versicherungsformen miteinander verglichen werden.

Was meine ich damit?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist genau genommen eine Absicherung der sozialen Stellung des Versicherten. Kann dieser seine aktuelle Tätigkeit nicht mehr in dem Umfang wie zu gesunden Tagen ausüben, erhält er seine Leistung. Auch wenn er noch einer anderen Tätigkeit nachgeht oder nachgehen könnte.

Dies kann die Grundfähigkeitsversicherung nicht leisten. Genau genommen ist das auch gar nicht ihre Aufgabe. Diese Versicherung versichert gewisse Fähigkeiten. Ähnlich wie bei einem Modell, das ihre Beine versichert. Man könnte meinen, dass der Verlust eines Beins gleichbedeutend mit dem Karriereende ist. Das muss jedoch nicht so sein – es gibt Modelle, die mit einem Bein erfolgreicher sind als viele, die mit beiden Beinen über die Bühne laufen. In der Folge gibt es bei dem Verlust oder der Beschädigung (je nachdem was versichert ist) der Beine Geld. Ungeachtet davon, ob unser Modell vielleicht nun sogar noch viel mehr Geld aufgrund dieser Besonderheit verdient. Exakt so verhält es sich auch mit der Grundfähigkeitsversicherung.

Im Ergebnis kann man nun sagen, dass sie keinesfalls eine Alternative für denjenigen ist, der seine soziale Stellung absichern möchte. Wer jedoch geziehlt gewisse Fähigkeiten versichern möchte, der findet hier grundsätzlich eine praktikable Möglichkeit / Lösung.

Achtung bei der Auswahl

Wenn Sie für sich erkannt haben, dass die Grundfähigkeitsversicherung (vielleicht auch als Ergänzung zur BU-Absicherung) für Sie die richtige Wahl ist, müssen Sie sich die Frage stellen wo Sie sich versichern. Viele Versicherungsmakler und Rating-Agenturen stürzen sich dabei wie besessen auf die Ausprägung der Fähigkeiten. Ist es also nun besser eine Glühbirne nicht mehr in eine Fassung schrauben zu können oder einen Wasserhahn auf zu drehen und wieder zu verschließen? Da es hier noch keine großen Leistungsfälle in der Breite gibt, ist diese Frage sehr schwer bis gar nicht zu beantworten. Ich behaupte aber mal, dass dieser Punkt gar nicht die höchste Relevanz haben wird.

Aus meiner Sicht muss zuerst einmal geprüft werden ob bereits ab dem Verlust einer Fähigkeit geleistet wird oder ob hier mehrere gleichzeitig verloren gegangen sein müssen. Müssen beide Hände funktionsunfähig sein oder nur eine? Hiernach lässt sich eine erste Auswahl treffen.

Im zweiten Schritt kommen wir aber nicht Drumherum die Versicherungsbedingungen inhaltlich zu prüfen. Da viele Versicherungen das Bedingungswerk in vielen Punkten einfach von ihren BU-Versicherungen abgeschrieben haben, finden sich hier auch teilweise die gleichen schauerlichen Klauseln wieder. Zum Beispiel spricht ein Anbieter von der Schadenminderungspflicht, die der Kunde betreiben muss. Für den Laien klingt das vernünftig, hat aber in einer solchen Versicherungsart (Summenversicherung) nichts verloren. Oder die versicherte Person muss alle Maßnahmen, die gefahrenlos und nicht mit besonderen Schmerzen verbunden sind, befolgen. Das öffnet dem Versicherer im Leistungsfall Tür und Tor um Leistungen nicht zahlen zu müssen.

Und was ist das Ergebnis?

Die Grundfähigkeitsversicherung an sich ist eine Absicherung, die, wenn sie bedarfsgerecht eingesetzt wird, auch eine sehr gute Lösung für viele Kunden sein kann. Voraussetzung dabei ist allerdings, dass sowohl der Vermittler wie auch, vor allem, der Verbraucher gut über Vor- und Nachteile aufgeklärt sind.

Was diese Versicherung aber nie schafft, und auch eigentlich nie sein möchte, ist eine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung darzustellen.

 

 

 

 

Rating zur Berufsunfähigkeitsversicherung – schlechter gehts nimmer

Das Analysehaus Franke & Bornberg (Rating-Agentur) hat im Auftrag des Handelsblatt (das soll schon was heißen) Berufsunfähigkeitsversicherungen untersucht und kam zu dem erstaunlichen Ergebnis 18 (!) BU-Versicherer sind „sehr gut“ und 10 weitere „gut“. Ein tolles Ergebnis – möchte man meinen.

Mit der Höchstnote wurden ausgezeichnet (Zitat):

„(nach Reihenfolge der Platzierung): die Swiss Life (Swiss Life SBU), Stuttgarter (BUV-Plus, Tarif 91), HDI (SBU Ego Top), Nürnberger (Selbstständige BU nach Tarif SBU2800C), Allianz (Plus E 356), Zurich Deutscher Herold (SBU), die Bayerische (SBU Protect Komfort), Gothaer (BU Premium), Nürnberger Beamten (BSBU2800C), Barmenia (Solo BU L3651), Bayern Versicherung (EinkommensSicherung), Condor (SBU Comfort), Alte Leipziger (SBU SecurAL Tarif BV 10), Dialog (SBU-professionell), InterRisk (SBU Tarif XL), LV1871 (Golden BU mit erweiterten Leistungen), Ergo (ERGO Berufsunfähigkeitsversicherung), Württembergische (SBU).“

Demnach sind also die Swiss Life und die Stuttgarter besser als der HDI? Dabei ist der HDI der Swiss Life in gleich 3 Leistungsrelevanten und wichtigen Bedingungspunkten wesentlich überlegen:

– Differenzierung zwischen Kräfteverfall und mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall

– die Swiss Life kann im Leistungsfall alle Maßnahmen fordern, die die versicherte Person über die 50% BU Grad heilen bzw. dazu geeignet sind (und gefahrenlos und ohne besonderen Schmerzen sind) wogegen der HDI lediglich ärzliche Verordnungen zur Bedingung macht

– die Swiss Life hat keinen Dauerhaften Verzicht auf die abstrakte Verweisung in den Bedingungen verankert. Etwa dann nicht, wenn die versicherte Person für ein paar Jahre aus dem Beruf ausscheidet.

Zumal die Swiss Life in einer Summenversicherung von Schadenminderungspflicht spricht – aber werden wir nicht zu fachlich an dieser Stelle.

Auch die Stuttgarter hat im Vergleich zum HDI immerhin zwei Leistungsrelevante Kriterien unsauber für den Kunden gelöst.

Die immer noch mit „sehr gut“ bewertetet Württembergische schlägt dem Fass aber dann den Boden aus: 6 (!) Leistungsrelevante Kriterien sind zu ungunsten der versicherten Person geregelt.

Aber es ist nicht das Handelsblatt bzw. Franke & Bornberg alleine, die scheinbar willkürliche Urteile in ihrem Rating fällen.

Heute lese ich vom Test des map-report (auch eine Rating-Agentur). Dieser kommt zu dem Ergebnis, dass die Europa vor der Allianz und der HUK-Coburg Testsieger geworden ist.

Wie kommt nun map-report in ihrem Rating zu so einem völlig anderen Ergebnis? Die Europa und die HUK-Coburg sind bei Franke & Bornberg nicht mit der höchsten Bewertung ausgezeichnet worden!?

Ganz einfach: man ändert einfach die Kriterien für seine Bewertung und bewertet nun Bilanzen, Service und Beispielrechnungen.

Wie bitte!?

Immerhin gibt map-report zu (Zitat): „Es bewertet den Gesamteindruck des Unternehmens aus heutiger Sicht. Deshalb wird es nie objektiv sein.“

Aha, man bewertet also irgendetwas, schreibt dazu, dass es eigentlich Blödsinn ist, aber der Verbraucher orientiert sich später daran.

Hier die Ergebnisse

Darf so etwas sein? Dürfen die Verbraucher von Ratings und Vermittlern, die sich nicht tagtäglich mit der Materie beschäftigen, weiter in die Irre geführt werden?

Zumal die Rating-Gesellschaften noch nicht einmal eine Haftung für den Fall übernehmen, dass ein Verbraucher mit einem schlechten Schutz ausgestattet ist.