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Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung Test 01.2018

Die Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung zählt mit zu den ältesten am Markt. In den letzten Jahren hat der Versicherer allerdings an Marktanteilen eingebüßt und immer noch mit Fehlern aus der Vergangenheit zu kämpfen. Mit der neuen BU soll nun altes Terrain zurückerobert werden.

 

Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung Test

Ein Neuanfang

Die Nürnberger hat auch heute immer noch mit der schlechten Regulierung der Leistungen in der Vergangenheit zu kämpfen. Mit einer Umstrukturierung, neuen Produkten wie zum Beispiel der Schwere-Krankheiten-Versicherung (was ist das?) im vergangenen Jahr und einer neuen Marketingkampagne wollen die Franken wieder Boden gut machen.

In diesem Jahr also mit einer neuen Berufsunfähigkeitsversicherung. Viel mehr zwei neuen Berufsunfähigkeitsversicherungen, denn neben der Comfort-Variante gibt es auch noch den Premium-Tarif. Inhaltlich an den meisten Stellen gleich, mit ein paar feinen Unterschieden.

Im Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung Test nehme ich beide Tarife genau unter die Lupe und zeige Ihnen Vor- und Nachteile auf und auf was Sie sonst noch achten sollten.

Die Basics müssen stimmen

Obwohl die Nürnberger schon immer ein großer Player auf dem Markt der BU-Versicherungen ist, zählte sie vor ein paar Jahren von der Bedingungsqualität eher zum hinteren Mittelfeld. Zwar hat der Versicherer immer wieder ein paar Konkretisierungen und Verbesserungen vorgenommen, aber der „Kräfteverfall“ als Leistungsauslöser reichte bis zu Letzt nicht aus. In den Bedingungen aus dem Jahr 2017 musste es (neben den Möglichkeiten Krankheit und Körperverletzung / Unfall) noch der „mehr als altersentsprechende Kräfteverfall“ sein. Im neuen Bedingungswerk hat man sich nun für die Kundenfreundlichere Variante entschieden und die drei Worte vor dem „Kräfteverfall“ ersatzlos gestrichen.

Auch an anderer Stelle schafft die Nürnberger Lebensversicherung nun mehr Klarheit. Bei der Frage, welche Mitwirkungspflichten Sie haben:

So sah die sogenannte Arztanordnungsklausel noch im Jahr 2017 aus. Im Großen und Ganzen beschränkten sich die Mitwirkungspflichten hier auch schon auf ärztliche Anweisungen. Unklarheit schaffte aber das Wort „Maßnahmen“ sowie die Ergänzung „zum Beispiel“.

Bedingungen Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung 2017

Heute wirkt die gleiche Klausel auch für den Verbraucher wesentlich verständlicher. Weniger Text, mehr Klarheit sowie der Verzicht auf unnötige Begrifflichkeiten, die im Leistungsfall unterschiedlich ausgelegt werden könnten.

Bedingungen Nürnberger Berufsunfähigkeitsversicherung 2018

Ebenfalls hervorzuheben ist aus meiner Sicht die Streichung der Meldung von gesundheitlichen Verbesserungen beziehungsweise der Minderung der Berufsunfähigkeit im Leistungsfall. Im Bedingungswerkt aus dem vergangenen Jahr muss sich der Kunde melden wenn sich seine Berufsunfähigkeit gemindert hat. Streng genommen betrifft dies jeden Tag an dem es ihm einmal besser geht und er anstelle von 80% nur noch 79% Berufsunfähigkeitsgrad hat. Unterlässt der Kunde dann die schriftliche Meldung bei der Versicherung könnte ihm im Extremfall die Leistung gekürzt oder sogar komplett versagt werden. Nun müssen Sie sich nur noch melden wenn Sie eine neue Tätigkeit aufgenommen haben. Alle gesundheitlichen Prüfungen obliegen somit der Versicherung.

Volle Leistung bei Arbeitsunfähigkeit und im Pflegefall, aber…

Wenn Sie sich für das Bedingungswerk Nürnberger Premium entscheiden, bekommen Sie auch eine AU-Klausel dazu. Diese leistet, wenn Sie entweder schon 6 Monate ununterbrochen arbeitsunfähig sind oder bereits nach drei Monaten, wenn ein Facharzt bescheinigt, dass diese Krankschreibung für weitere mindestens 3 Monate andauern wird. Zum einen wird diese Leistung allerdings für maximal 24 Monate (im gesamten Versicherungszeitraum) gezahlt, zum anderen ist der Mehrwert dieser Klausel überschaubar. Wer nämlich mindestens ein halbes Jahr gesundheitsbedingt ausfällt, ist auch in der Regel zu 50% berufsunfähig. Wenn Sie allerdings schon wissen, dass Sie Ihre akute Erkrankung nur für maximal zwei Jahre aus dem Berufsleben reißen wird, kann diese Klausel von Vorteil sein, da das Prüfungsverfahren deutlich abgekürzt ist im Vergleich zur BU-Rente.

Pflegeklausel BU Nürnberger 2018Im Pflegefall erhalten Sie auch dann Ihre volle Rente wenn Sie nicht BU sind. Dieser Zustand ist zwar höchst unwahrscheinlich, aber auch hier gilt das leichtere Verfahren zur Prüfung. Leider verpasst es die Nürnberger an dieser Stelle diesen Zugang zu einem echten Highlight zu machen. Gemessen wir anhand von sogenannten Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL). Auch reicht es aus, wenn Sie eine der Aktivitäten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Anders als bei vielen Mitbewerbern stehen aber insgesamt nur vier ADL zur Verfügung. Bei der Bayerischen würde bereits eine ADL aus sechs reichen. Positiv fällt an dieser Stelle aber noch auf, dass auch die geistige Alltagskompetenz mitversichert ist. Heißt: bei Demenz gibt es ebenfalls die volle BU-Rente.

Haben Sie sich für den Tarif Premium entschieden erhalten Sie während der Versicherungsdauer im Pflegefall die doppelte Leistung. Berufsunfähigkeitsrente + Pflegerente. Der Teil der Pflegerente wird sogar über die Versicherungsdauer hinaus, bis zum Tod gezahlt.

Besonderheiten der Nürnberger BU 2018

Für Ärzte, Tierärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Notare und Wirtschaftsprüfer gilt im Leistungsfall, dass diese nur auf andere in diesem Beruf zulässigen Tätigkeiten konkret verwiesen werden können. Wenn ein Arzt also nicht mehr als dieser praktizieren kann aber nun als kaufmännischer Mitarbeiter für einen Pharmakonzern arbeitet, bekommt er unabhängig vom neuen Gehalt seine komplette BU-Rente.

Außerdem zahlt die Nürnberger eine Rente bis zu 24 Monaten, wenn Sie für mindestens 6 Monate auf einen Rollstuhl angewiesen sind, für mindestens ein halbes Jahr erblindet sind oder für diesen Zeitraum Ihre Hörfähigkeit verloren haben. Auch hier kann man gerne über den Sinn diskutieren, aber auch dies stellt eine Erleichterung zur Leistung dar und ist immerhin beitragsfrei mitversichert.

Wer sich aufgrund von bestimmten Ereignissen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Gehaltssteigerungen ohne erneute Gesundheitsfragen nachversichern möchte, hat bei vielen Anbietern eine recht knappe Frist von 6 Monaten einzuhalten. In meiner Praxis wurde es da schon einige Male knapp um diese Möglichkeit nicht zu verpassen. In den neuen BU-Tarifen der Nürnberger ist mit 12 Monaten sogar doppelt so lange Zeit. Leider wird hier aber nur auf die erneute Gesundheitsprüfung verzichtet, nicht auf die vollständige Risikoprüfung. Haben Sie also mittlerweile Allergien oder Rückenprobleme bekommen müssen Sie dies nicht angeben, üben Sie einen gefährlicheren Beruf oder ein riskantes Hobby aus, ist dies zu melden und kann die Erhöhung erschweren oder verhindern.

Für Schüler Flop, für Studenten und Azubis Top

Meine Empfehlung ist stets eine BU-Versicherung möglichst frühzeitig abzuschließen. Im besten Fall schon als Schüler (warum eine BU-Versicherung als Schüler sinnvoll ist). Diese Möglichkeit bietet die Nürnberger in ihrer aktuellen Fassung nach wie vor nicht. Es gibt ausschließlich die Möglichkeit einer Schulunfähigkeitsversicherung mit späterem Wechselrecht in eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung. Da es bereits gute Möglichkeiten bei anderen Gesellschaften ab dem 10. Lebensjahr gibt, ist das keine echte Option für Schüler.

Studenten und Azubis sind hingegen gern gesehen bei der Nürnberger. Ab der zweiten Hälfte des Studiums oder der Ausbildung wird im Leistungsfall bereits auf den später angestrebten Beruf und dessen Lebensstellung geprüft.

Fazit:

Die Nürnberger weiß zu überraschen, mich zumindest. Das Bedingungswerk wurde ordentlich angepackt und an vielen (entscheidenden) Stellen verbessert. Der Comfort-Tarif erfüllt sämtliche von mir geforderte Mindestkriterien und bietet zudem eine recht ordentliche Dienstunfähigkeitsklausel (DU-Klausel) an. Wer auf eine Arbeitsunfähigkeitsklausel und lebenslange Leistung im Pflegefall steht, bekommt mit dem Premium-Tarif ebenfalls seinen Wunsch. Ein Manko ist an dieser Stelle jedoch, dass sich die Ansprüche an den Tarif Premium nicht mit der DU-Klausel kombinieren lassen. Ein Beamter müsste sich also zwischen einfacherem Zugang zur Leistung im Fall einer Dienstunfähigkeit und lebenslanger Leistung bei Pflege entscheiden. Im Zweifelsfall kann man hier auch falsch liegen.

Zwar hat die Nürnberger auch im neuen Tarif noch einige Schwachstellen und für Schüler bietet sie noch keine zufriedenstellende Lösung an. Im Großen und Ganzen spielt sie nun aber wieder in der Elite mit, zu der aus meiner Sicht sonst nur 3-4 andere Gesellschaften angehören.

 

 

 

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Wann brauche ich eine Dienstunfähigkeitsversicherung?

Wenn Sie verbeamtet sind, brauchen Sie eine spezielle Klausel für den Fall der Dienstunfähigkeit. Das behaupten zumindest zahlreiche Beamtenverbände. Stimmt das denn auch?

Dienstunfähigkeit

Wie wichtig ist eine Klausel für die Absicherung einer Dienstunfähigkeit (DU)? Braucht es hier sogar eine, die schon bei teilweiser DU zahlt?

Diese Frage höre ich natürlich gerade von (werdenden) Beamten sehr oft. Manche fragen sogar danach, ob sie ihre bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen sollen, weil der Deutsche Beamten Bund Ihnen gesagt hat ohne Dienstunfähigkeitsversicherung geht’s gar nichts. In diesem Blog möchte ich mit Vorurteilen und einem großen Mythos aufräumen.

Was ist Dienstunfähigkeit eigentlich?

Dienstunfähig sind Sie, wenn Sie aus gesundheitlichen oder körperlichen Gründen dauerhaft nicht mehr in der Lage sind Ihre Dienstpflichten zu erfüllen. Oder aber, wenn Sie dies innerhalb der letzten 6 Monate, für mindestens 3 Monate nicht konnten UND keine Aussicht besteht, dass diese in den kommenden 6 Monaten wieder vollständig hergestellt wird. In diesem Fall werden Sie in den Ruhestand versetzt. Dies passiert jedoch nicht, wenn Sie noch anderweitig verwendbar sind. Den kompletten Gesetzestext finden Sie hier.

Anders als oft behauptet muss jedoch noch nicht einmal ein Amtsarzt sein „ok“ für die Versetzung in den Ruhestand geben. Es reicht hier erst einmal aus, wenn die Behörde als Ihr Dienstherr dies so beschließt.

Leistung ohne weitere Prüfung

Eine Dienstunfähigkeitsversicherung, so wie sie oft propagiert wird, gibt es eigentlich gar nicht. Im Wesentlichen handelt es sich dabei nämlich um eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer speziellen Klausel.

Und diese gibt es auch in mehreren Ausführungen. Während die „echte“ DU-Klausel sich dem Urteil des Dienstherrn anschließt und keine weitere Prüfung durch den Versicherer zulässt, prüft die Versicherung bei der „unechten“ Klausel vor Zahlung der Leistung anhand von ärztlichen Unterlagen selbst, ob sie sich dem Urteil der Behörde anschließen.

So hört sich die Dienstunfähigkeits-Klausel in der „echten“ Ausführung doch schon einmal nach einem deutlichen Vorteil an.

Abgrenzung zur BU-Definition

Wer sich schon einmal mit dem grundsätzlichen Leistungsauslöser eine Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigt hat, dem erzähle ich jetzt nichts Neues. Dieser lautet nämlich „kann die Versicherte Person ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit, wie sie ohne gesundheitliche Einschränkungen ausgestaltet war, aufgrund von Krankheit, Körperverletzung oder (mehr als) altersentsprechendem Kräfteverfall nicht mehr ausüben zu mindestens 50% und über 6 Monate oder länger, so ist sie berufsunfähig“.

Legen wir doch einmal die beiden Definitionen (BU und DU) übereinander. Schnittmengen finden wir vor allem im „wie“. Auch der Zeitraum ist ziemlich ähnlich, aus meiner Sicht ist der Zeitraum der Dienstunfähigkeit sogar schwerer zu erreichen, da Sie dauerhaft nicht mehr in der Lage sein dürfen Ihre Dienstpflichten zu erfüllen.

Aber, wenn diese Hürde gesprungen ist, ist der Nachweis zur Auszahlung der Rentenleistung schnell erbracht. Es reicht eben das Amtsärztliche Zeugnis. Das kürzt diesen Schritt zumindest ab.

Ist die Spezielle Dienstunfähigkeit – Klausel wichtig?

Insbesondere die DBV (Deutsche Beamten Versicherung) prescht immer wieder nach vorne mit der Behauptung, dass eine spezielle Dienstunfähigkeits-Klausel insbesondere bei Beamten im Vollzug unerlässlich ist. Als Beispiel wird gerne angeführt, dass der Polizist, der seinen Finger verliert und keine Waffe mehr bedienen kann, von seinem Dienstherrn intern, anstatt in den Ruhestand versetzt wird. Dies kann durchaus zu einer Einkommensminderung führen.

Andererseits kann ein Polizist nach dem Verlust seines Fingers seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit auch nicht mehr wie gesunden Tagen ausüben. Dies legt dann auch schon eine Leistungserbringung gemäß den gewöhnlichen Bedingungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung nah. Somit sehe ich zumindest nur einen eingeschränkten Mehrwert, der zudem teuer erkauft werden muss. Diese Zusatzklausel gibt es natürlich nicht für lau.

BU-Bedingungen haben Vorrang

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass eine Dienstunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen immer auch eine Berufsunfähigkeit mit sich zieht. Zumindest in 99% aller Fälle.

Auch sollten Sie bitte immer bedenken, dass nicht jeder Beamte auf für immer im öffentlichen Dienst bleibt. In einigen Fällen ist die Gier nach etwas Neuem eben größer, als die Sicherheit für den Staat zu arbeiten. Auch in diesen Fällen ist eine DU-Klausel alleine dann nichts mehr wert.

Daher gilt die Devise: erst die Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung prüfen und unter den Tarifen, die für Sie in Frage kommen, den nehmen, der eine „echte“ DU-Klausel im Vertragswerk verankert hat. Denn es ist eben nur ein Aspekt von Vielen.

Eine Frage der Laufzeit

Einige Versicherungen bieten für Beamte, je nach Beruf, verkürzte Laufzeiten an. Die Begründung klingt auf den ersten Blick schlüssig: die Absicherung durch den Dienstherrn ist wesentlich höher als in der Privatwirtschaft, demnach der Absicherungsbedarf geringer.
Allerdings sollten Sie hierbei nicht vergessen, dass auch der Staat und die Länder immer weiter sparen müssen und in diesem Zuge die, immer noch sehr gute, Versorgung ihrer Bediensteten herunterfahren.

Legen Sie auch deswegen Wert auf eine möglichst lange Absicherung. Insbesondere in höherem Alter steigt natürlich auch das Risiko.