Die Grundfähigkeiten-Versicherung

Die Grundfähigkeiten-Versicherung ist langsam dabei sich zu etablieren. Immer mehr Versicherungsgesellschaften bieten einen solchen Tarif neu an oder planen ihr Portfolio dahingehend in den kommenden Monaten zu erweiteren. Darum lohnt es sich auch als Verbraucher sowie als Versicherungsmakler einmal genau zu prüfen für wen sich eine solche Versicherung besonders gut eignet.

Was ist eine Grundfähigkeiten-Versicherung?

Jeder Mensch hat gewisse Fähigkeiten, die für sein Leben elementar wichtig sind. Dazu gehört unter anderem der Gebrauch der Hände und der Arme, die Fähigkeit Gehen zu können, das Sehen, das Hören, das Sprechen oder auch das Benutzen der Hände.

Diese und weitere Fähigkeiten sind im Rahmen der Grundfähigkeiten-Versicherung versichert.

Wann zahlt eine Grundfähigkeiten-Versicherung?

Die Grundfähigkeiten-Versicherung hat in ihren Versicherungsbedingungen (AVB) gewisse Fähigkeiten benannt und zudem definiert in wie weit die Fähigkeit verloren geganen sein muss.

Am Beispiel der Grundfähigkeit „Gehen“ möchte ich Ihnen einmal zeigen, wie sich dieselbe Fähigkeit doch unterscheiden kann.

Während ein Versicherer fordert, dass Sie keine 400 Meter ohne Pause mehr zurücklegen können, definiert ein weiterer eine Distanz von 200 Metern.

Können Sie nun aber noch 300 Meter ohne Pause über einen ebenen Boden laufen, bekommen Sie beim erstgenannten Versicherer bereits eine Leistung (keine 400 Meter), während beim anderen die Leistung verwehrt bleibt.

Auch gibt es Unterschiede wie lange die Fähigkeit verloren sein muss. Hier fordern die meisten Tarife noch einen Zeitraum von voraussichtlich oder tatsächlich 12 Monaten. Es kommen allerdings auch zunehmend mehrere Anbieter auf den Markt, die Bereits ab einem Zeitraum von 6 Monaten vollumfänglich leisten.

Was ist, wenn ich meinen Beruf trotzdem noch ausüben kann?

Anders als bei der Berufsunfähigkeits-Versicherung spielt es bei der Grundfähigkeiten-Versicherung keine Rolle, ob Sie Ihren Beruf noch ausüben können oder nicht.

Es ist auch egal, ob Sie durch den Verlust einer oder mehrerer Fähigkeiten einen Einkommensverlust erleiden.

Nehmen Sie als Beispiel unseren ehemaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Trotz des Verlustes seiner Fähigkeit gehen zu können, hat er sein Amt ohne größere Einschränkungen ausüben können. Auch vom Einkommen her gehe ich davon aus, dass er keine größeren Einschränkungen hinnehmen musste. In seinem Fall wäre eine Leistung aus einer Grundfähigkeiten-Versicherung kein Problem gewesen.

Welche Unterschiede gibt es bei der Grundfähigkeiten-Versicherung?

Da diese Versicherungsart noch recht neu am Markt ist und sich die bisherigen Leistungsfälle wohl an wenigen Händen abzählen lassen, gibt es noch keine relevante Rechtssprechung zu diesem Thema. Das führt wiederum dazu, dass sich der Markt der Grundfähigkeiten-Versicherungen noch relativ heterogen bewegt.

Neben den oben schon angesprochenen Unterschieden in den einzelnen Definitionen der Fähigkeiten und der Unterscheidung wie lange eine Grundfähigkeit verloren sein muss, gibt es auch noch Versicherer, denen der Verlust einer Fähigkeit nicht ausreicht. Diese Tarife arbeiten nach Punktekatalogen. Für den Verlust einer jeden Fähigkeit gibt es eine bestimmte Punktezahl. Bei 100 Punkten bekommen Sie dann Ihre Rente.

Ich persönlich halte es allerdings für schwer vorstellbar, dass jemand gleichzeitig die Fähigkeiten beider Beine und beider Arme verliert.

Auch machen Versicherungen durchaus einen Unterschied, ob lediglich ein Arm nicht mehr richtig funktionieren muss (z.B. nach einem Sturz auf die Schulter), oder ob beide Arme gleichzeitig ausfallen müssen.

Bei der Grundfähigkeiten-Versicherung heißt es also schon aus vielen guten Gründen ganz genau hinzugucken.

Wodurch kann ich meine Grundfähigkeiten verlieren?

Es spielt erst einmal keine Rolle warum Sie eine Fähigkeit verloren haben. Neben den typischen Unfallfolgen (Fahrradsturz auf die Schulter, kaputtes Sprunggelenk beim Sport,…) können auch Krankheiten als Auslöser herhalten. So können unter anderem rheumathische Krankheiten oder Erkrankungen des Nervensystems oder auch ein Schlaganfall zur Leistung führen.

Wichtig ist auch, dass rein psychische Erkrankungen in der Regel nicht mitversichert sind. Hier bieten zwar viele Versicherungen Zusatzbausteine an, diese leisten aber erst bei schweren Depressionen oder verknüpfen eine psychische Erkrankung mit einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit.

Für wen kann die Grunfähigkeiten-Versicherung sinnvoll sein?

Das Marketing der Versicherungsgesellschaften richtet sich aufgrund der Preisgestaltung überwiegend an handwerkliche und gewerbliche Berufe. Tischler, Arzthelferinnen, Krankenschwestern / Krankenpfleger, Bäcker, Mechaniker, Dachdecker, Kraftfahrer, Kuriere und viele weitere finden hier tatsächlich eine passende Absicherung zu einem bezahlbaren Beitrag.

Allerdings ist die Grundfähigkeiten-Versicherung nicht nur etwas für diese Berufe. Auch bei kaufmännischen Tätigkeiten kann es sinnvoll sein seine wichtigsten Fähigkeiten abzusichern. Dabei muss die Entscheidung auch nicht bei „entweder eine Berufsunfähigkeits-Versicherung oder eine Grundfähigkeiten-Versicherung“ liegen. Es kann auch eine „Und-Entscheidung“ werden.

Aus Kundensicht ist es wichtig zu verstehen, dass Sie mit der einen Versicherung (BU) Ihre Lebensstellung absichern und mit der anderen (GFV) gezielt bestimmte Tätigkeiten versichern. Was für Sie die bessere Lösung ist lässt sich in einer individuellen Beratung am besten klären.

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