Prozessquote

Ausschlaggeben für diesen Blog war eine Diskussion in einer Versicherungsmaklergruppe bei Facebook. Ja, so etwas gibt es tatsächlich 🙂 In diesen Gespräch, besser im Text, entstand die Frage wie wichtig die Prozessquote bei der Auswahl der richtigen Berufsunfähigkeitsversicherung ist. Da ich mir gut vorstellen kann, dass sich diese Frage auch für Dich auftut (sonst würdest Du diesen Blog wahrscheinlich gar nicht gefunden haben), habe ich mich einmal ausführlich damit beschäftigt.

Prozessquote

Was ist die Prozessquote überhaupt?

Am Versicherungsmarkt werden immer wieder gewisse Kennzahlen gebildet um die Qualität einer Versicherungsgesellschaft zu beurteilen. Eine dieser Kennzahlen ist die Prozessquote. Sie soll aussagen wie gerne ein Versicherungskonzern im Fall der Fälle die Leistung verweigert und es lieber auf eine Klage und einen anschließenden Gerichtsprozess ankommen lässt.

Auf den ersten Blick denkst Du Dir nun sicherlich: Mensch, so eine Prozessquote ist verdammt wichtig. Klar, denn Du möchtest ja auch keinen Ärger mit der Versicherung haben wenn diese zahlen muss.

Erst einmal verstehen

Wenn ich persönlich etwas bewerte, dann möchte ich es vorher erst einmal verstehen. Das gilt auch für diese Kennzahl und daher habe ich mich natürlich informiert wie sich die Prozessquote zusammensetzt. Bisher wissen wir ja noch gar nicht so recht wie man jetzt auf eine Quote von 1% oder 5% kommt!?

Dazu müssen erst einmal viele Fragen gestellt werden. Zum Beispiel müssen wir wissen wie häufig zu Berufsunfähigkeitsversicherungen geklagt wurde. Dazu ist es wichtig einen Zeitraum zu definieren – meistens 12 Monate.

Dann stellt sich die Frage wie viele von diesen Prozessen werden (aus Sicht der Versicherung) zurecht geführt. Bei wie vielen Fällen hat die versicherte Person zum Beispiel Falschangaben im Antrag gemacht. Wie häufig hat die Versicherung Recht bekommen, weil per Definition in den Versicherungsbedingungen gar keine Leistung erbracht werden muss? Wie viele Kunden haben letzten Endes den Prozess gewonnen?

Ach, da kommen noch eine ganze Reihe weitere Fragen dazu. Das Problem an dieser Stelle ist leider schon, dass die Prozessquote sehr leicht manipulierbar ist und es zudem auch vorkommen kann, dass sie eine ganz falsche Aussage trifft. Stell Dir doch einmal vor eine kleine Versicherungsgesellschaft hat in einem Jahr 5 Kunden, die ihre Berufsunfähigkeitsrente beantragen. Nur ein einziger davon soll kein Geld bekommen, weil er im Antrag eine schwere Krankheit verschwiegen hat. Der Fall geht vor Gericht. Die Prozessquote beträgt aber satte 20%!

Die Allianz hingegen, als größte Lebensversicherung in Deutschland, hat mehrere hunderte Fälle pro Jahr. Hierbei kommt es vielleicht sogar zu viel mehr Problemen, diese fallen in einer Quote aber nicht so sehr ins Gewicht.

Es kann sogar vorkommen, dass sogar unterschiedliche Ratingunternehmen zu ganz unterschiedlichen Prozessquoten kommen.

Was sagt eine Prozessquote über die Zukunft aus?

Bisher kannst Du also gerne schon einmal festhalten, dass es gar nicht so einfach ist hier eine verlässliche Basis zu finden. Wie wichtig ist aber nun diese Kennzahl für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Aus meiner Sicht: gar nicht wichtig!

Das möchte ich Dir gerne kurz begründen:

  1. die Problematik der nicht sehr großen Verlässlichkeit hatten wir ja schon eben ausführlich
  2. bei Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es ganz unterschiedliche Versicherungsbedingungen. Führt die Gesellschaft nun gegen Dich einen Prozess aufgrund der Auslegung in diesen Bedingungen und gewinnt vor Gericht, hat dies zwar eine positive Auswirkung auf die Prozessquote, Du hast aber deswegen immer noch kein Geld. Besonders ärgerlich ist es dann sogar zusätzlich, wenn eine andere BU-Versicherung mit anderen Bedingungen in Deinem konkrenten Fall hätte zahlem müssen.
  3. wie ich finde ist aber das Hauptargument gegen die Bewertung einer solchen Kennzahl als Entscheidungskriterium, dass Du eine BU-Versicherung ab heute für die Zukunft abschließt. Eine Prozessquote hingegen ist immer eine Betrachtung der Vergangenheit. Suchtst Du bewusst einen Versicherer mit einer sehr geringen Quote kann es Dir in den nächsten 30 Jahren trotzdem passieren, dass sich in der Versicherung durch Vorstandswechsel oder eine neue Unternehmenskultur auch das Leistungsverhalten um 180 Grad dreht.

Worauf es wirklich ankommt!

Wenn Du die für Dich richtige Berufsunfähigkeitsversicherung suchst, dann solltest Du die zu Deiner persönlichen Situation optimalen Versicherungsbedingungen finden. Vergiss bitte nicht: auch eine Versicherung ist ein Vertrag mit zwei geschäftsfähigen Vertragsparteien. Dummerweise hat die Versicherung in der Regel ein paar gute Juristen, die die Bedingungen formulieren und nicht alles so reinschreiben wie Du es vielleicht gerade brauchst.

Zusätzlich ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, dass Du einen Vertrag mit keinen oder möglichst wenigen Ausschlüssen bekommst. In einem aktuellen Fall eines Kunden von mir geht es um die Bewertung eines Heuschnupfen. Wo die vermeintlich günstigste Versicherung mit guter Prozessquote gleich alle Allergien ausschließen will, nimmt eine andere den Kunden ohne Ausschluss an.

Auch diese Thematik spielt im Leistungsfall eine wichtige Rolle.

Fazit: lass Dich nicht verwirren und handel überlegt

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Vertrag, den Du für die nächsten 30-40 Jahre abschließst. Wenn Du durch Krankheit oder Unfall Deinen Lebensstandard nicht mehr aufrecht erhalten kannst, soll sie Dir auch Deinen Status sichern.

So eine Versicherung sollte man nicht anhand von einer bestimmten Kennzahl wählen. Wenn überhaupt kann eine Kennzahl nur eine deutlich untergeordnete Rolle haben.

Wenn Du auf der Suche nach der für Dich optimalen Berufsunfähigkeitsversicherung bist und hier die richtige Entscheidung treffen willst helfe ich Dir gerne dabei. Hast Du schon eine BU-Versicherung und willst die Qualität der Bedingungen überprüfen? Auch kein Problem.

Buche Dir doch gerne gleich einen Termin für ein kostenfreies Erstgespräch beim BU-Profi.

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