Berufsunfähigkeits – Versicherung schon als Kind abschließen?

Eine Berufsunfähigkeits-Versicherung für Kinder? Macht das überhaupt Sinn? Ist das nicht eher Geldverschwendung? Kinder haben doch noch gar keinen Beruf und gehen in der Regel noch zur Schule. Und außerdem sind doch zur Not auch noch die Eltern da und können ihre Kinder finanziell auffangen und unterstützen.

Wie ich zu diesen Aussagen stehe und warum aus meiner Sicht eine Berufsunfähigkeits-Versicherung für Kinder absolut sinnvoll ist, lesen Sie im folgenden Blog.

Berufsunfähigkeitsversicherung Kinder

Die Betreuung meiner Kunden (und auch deren Kinder) ist mir wichtig

Als ich zum Jahresanfang viele meiner Kunden angeschrieben habe, um ihnen eine Berufsunfähigkeits-Versicherung für ihre Kinder näherzubringen, war ich etwas erschrocken. 

Die meisten meiner Kunden fanden die Idee ihre Kinder abzusichern sehr gut. Darum haben wir einen Termin vereinbart. Bevor wir in den ersten Termin einsteigen können, brauche ich noch ein paar Angaben meines Kunden. In diesem Fall von deren Kindern. Dazu erhalten meine Kunden drei Fragebögen.

Unter anderem brauche ich die berufliche Tätigkeit. Die meisten gehen noch zur Schule, daher ist es für mich wichtig zu wissen, was sie für eine Schulform besuchen.

Auch Angaben zu den Hobbys der Kids können eine Rolle spielen. Zum Beispiel Kampfsport oder Reitsport kann, je nachdem wie er ausgeübt wird, später im Antrag anzugeben sein.

Der dritte Fragebogen befasst sich mit dem Thema Vorerkrankungen. Und die Antworten auf diesem Bogen waren es, die ich so nicht erwartet hätte.

Hier ist das Ergebnis:

  • Schülerin, 13 Jahre jung, Teratom vor 3 Jahren sowie Skoliose
  • Student, 19 Jahre jung, Behandlung ADHS vor 2 Jahren abgeschlossen
  • Schüler, 15 Jahre jung, aktuell in Behandlung wegen psychischer Probleme
  • Schüler, 17 Jahre jung, Unfall vor 6 Monaten mit dem Fahrrad mit Operation und Einbringung von Material
  • Schüler, 12 Jahre jung, Asthma

Bei fast allen dieser Erkrankungen ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung nicht mehr ohne weiteres möglich. Mindestens müssen sich meine Kunden auf Ausschlüsse und Beitragszuschläge einstellen. Wenn der Antrag überhaupt angenommen wird. Und das in so jungen Jahren. 

Was passiert bei Vorerkrankungen?

Jeder von uns war schon einmal krank. Auch als Kind. Einige Erkrankungen sind für eine Berufsunfähigkeits-Versicherung aber nicht so dramatisch und werden ohne Probleme „durchgewunken“.

Andere Krankheiten können hingegen Probleme bereiten.

Im o.g. Fall mit Teratom und Skoliose formulieren alle von mir angefragten Versicherungen einen Ausschluss der Wirbelsäule. Wegen dem Teratom möchte ein Versicherer dieses ebenfalls ausschließen, ein anderer verlangt einen Zuschlag von 50% auf den Beitrag.

Bei dem Jungen mit Asthma gibt es einen Ausschluss von asthmatischen Erkrankungen.

Dem Studenten, der vor 2 Jahren eine Behandlung wegen ADHS abgeschlossen hatte, ist ein Versicherungsschutz aktuell gar nicht möglich. Erst nach erfolgreichem Abschluss des Studiums und Aufnahme eines Berufes lässt sich der Fall neu prüfen.

Gleiches gilt für den Schüler, der aktuell in psychischer Behandlung ist.

Insgesamt keine so guten Aussichten für den Versicherungsschutz.

Eigentlich ist es ganz einfach

Am besten wir handeln bevor „das Kind in den Brunnen gefallen“ ist.

Dazu gibt es einige Möglichkeiten, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben.

Kinder-Rente mit BU-Option

Die Kinder-Rente empfehle ich sehr gerne an Eltern mit neugeborenen oder noch sehr jungen Kindern. Sie verbindet das Sparen mit einer späteren Absicherung gegen Berufsunfähigkeit.

Für die Kinder-Rente können Sie Beiträge ab 25,- Euro im Monat einzahlen, die dann wahlweise in Investmentfonds oder mit einem garantierten Zins angelegt werden. In erster Linie ist das also eine längerfristige Geldanlage für Ihre Kleinen.

Einige Versicherungen, wie die Basler, die Nürnberger oder die WWK, bieten dazu eine kostenfreie BU-Option an. Dazu beantworten Sie beim Abschluss der Kinder-Rente (meistens) abgekürzte Gesundheitsfragen und Ihr Kind kann zum Einstieg in das Berufsleben eine BU-Versicherung abschließen ohne noch einmal über seinen Gesundheitszustand nachdenken zu müssen.

Vorteile:

  • die Option ist kostenfrei
  • auf eine Gesundheitsprüfung wird beim späteren Abschluss einer BU-Versicherung verzichtet
  • die Kinder-Rente kann schon ab der Geburt abgeschlossen werden, wenn die meisten Kinder noch gesund sind
  • eignet sich als Alternative zum Investmentdepot oder Kinder-Sparbuch

Nachteile:

  • die Kinder-Rente ist eine reine Geldanlage und bietet noch keinen Versicherungsschutz für Ihr Kind
  • beim späteren Abschluss der BU-Versicherung ist die berufliche Tätigkeit anzugeben. Wer später einen körperlichen oder handwerklichen Beruf ausübt zahlt dann recht hohe Beiträge

Grundfähigkeits-Versicherung

Wenn Ihnen die Kinder-Rente zu wenig Versicherungsschutz bietet, dann kann eine Grundfähigkeits- oder Schulunfähigkeits-Versicherung für Sie interessant sein.

Eine Grundfähigkeits-Versicherung versichert eine Reihe von Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Gehen, das Sitzen, das Treppe steigen, das Greifen oder auch das Schreiben.

Verliert Ihr Kind eine dieser Fähigkeiten für mindestens sechs Monate, zahlt die Versicherung eine Rente.

Die Grundfähigkeits-Versicherung der Bayerischen zum Beispiel lässt sich ab dem 3. Lebensjahr abschließen und bietet Ihrem Kind  den späteren Wechsel in eine Berufsunfähigkeits-Versicherung. Ebenfalls ohne neue Gesundheitsfragen.

Vorteile:

  • Kinder können bereits ab drei Jahren versichert werden
  • Versicherungsschutz bei Unfall und Krankheit
  • Beeinträchtigung muss nicht dauerhaft sein – für die Leistung reichen 6 Monate
  • Versicherungsschutz kann später auch weitergeführt werden

Nachteile:

  • beim Wechsel in eine Berufsunfähigkeits-Versicherung kann ein körperlicher oder handwerklicher Beruf zu hohen Beiträgen führen
  • BU-Option kann erst nach Beendigung der Ausbildung oder des Studiums ausgeübt werden

Schulunfähigkeits-Versicherung

Wie der Name schon sagt, versichert diese Versicherung die Fähigkeit, dass Ihr Kind zur Schule gehen kann. Wenn dies durch einen Unfall oder eine Krankheit für sechs Monate oder länger nicht mehr möglich ist, zahlt die Versicherung eine monatliche Rente. Allerdings spielt es dabei keine Rolle, ob Ihr Kind noch auf eine andere Schulform gehen könnte.

Vorteile:

  • Abschluss ab dem 6. Lebensjahr möglich
  • BU-Option kann schon zum Beginn der Ausbildung oder des Studiums gezogen werden
  • sehr günstiger Beitrag möglich

Nachteile:

  • eine Verweisung innerhalb der Schulformen ist möglich
  • beim Wechsel in eine Berufsunfähigkeits-Versicherung kann ein körperlicher oder handwerklicher Beruf zu hohen Beiträgen führen
  • wird die Versicherung nicht in eine BU-Versicherung umgewandelt, besteht nur Versicherungsschutz bei Erwerbsunfähigkeit

Berufsunfähigkeits-Versicherung für Schüler

Anders als die Schulunfähigkeits-Versicherung ist die Berufsunfähigkeits-Versicherung für Schüler eine echte Berufsunfähigkeits-Versicherung. In guten Tarifen wird auch die aktuelle Schulform und sogar der Schulweg und die Ausstattung der Schule berücksichtigt. Hier gilt: kann Ihr Kind für länger als sechs Monate aus gesundheitlichen Gründen nicht am Schulunterricht an der bisherigen Schule teilnehmen, zahlt die Versicherung eine Rente.

Vorteile:

  • echte Berufsunfähigkeits-Versicherung ab dem 10. Lebensjahr
  • ein späterer Berufswechsel muss der Versicherung nicht gemeldet werden
  • die Rentenhöhe kann später erhöht werden – in guten Tarifen auch zum Schülerbeitrag

Nachteile:

  • im Vergleich zu den anderen Varianten kostet die Berufsunfähigkeits-Versicherung den höchsten Beitrag